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Vorleser / Start Seite

Deutsch eic

Der Deutsch-Grundkurs 13 (Eickmeier, 2006/2007) beschäftigt sich mit Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser"


Fragen und Antworten für Abiturienten


Hinweise auf das Zentralabitur 2007
Ein guter Überblick über die Literaturepochen
Lyrik und Literaturepochen
Epochenumbruch: Aufklärung - Empfindsamkeit - Sturm und Drang (PDF, 1.1MB)
Arbeitsplattform zu Fontanes "Irrungen und Wirrungen"
Zur Erinnerung: Hermeneutische Methode

Zur Erinnerung und Wiederholung

"Emilia Galotti"

  • Lessings Dramentheorie
  • Einordnung in Geistes- und Literaturgeschichte: Aufklärung
  • Aspekte der Dramenanalyse
  • Charakterisierung der Hauptpersonen
    • Die Rolle der Frauen (Emilia vs. Claudia)
    • Die Figur des Marinelli
  • Liebesbeziehungen in Literatur und Gesellschaft
  • Inszenierungsmöglichkeiten
  • Lessings "Nathan der Weise": Inhalt/Problemstellung

Literaturgeschichte

  • Von der Aufklärung zur Klassik
    • Empfindsamkeit
    • Neuheit und Wirkung der Literatur des Sturm und Drang
      • Goethes Werther: Analyse von Briefromanausschnitten
    • Leben und Werk Goethes
    • Merkmale der Literatur der Klassik
    • Merkmale der Literatur der Romantik

"Aus dem Leben eines Taugenichts"

  • Sprache und Erzähltechnik
  • Analyse ausgewählter Kapitel
  • Bedeutung romantischer Lieder früher und heute
    • Musik der Romantik

"Irrungen und Wirrungen"

  • Gutachten zur Obligatorik dieses Textes
  • Romanmotive
  • Charakterisierungen und Figurenkonstellation
  • Analyse ausgewählter Kapitel
  • Merkmale und Bedeutung der Literatur des Realismus

"Antigone"

  • Aufbau und zentrale Motive
  • Die attische Tragödie, u.a. Rolle und Funktion des Chores
  • Verknüpfung mit Merkmalen epischen Theaters
  • Inszenierungsmöglichkeiten z.B. von Anouilhs Antigone (Referat Christina)
  • Moderne Kurzgeschichte: "Die getreue Antigone" (Nachkriegsliteratur)

"Der Vorleser"

  • Kritik von Rezensionen
  • Erzählperspektive
  • Figurengestaltung
  • Aufbau und Zeitgestaltung
    • Zentrale Problemstellungen
      • 3.Reich und Judenvernichtung
      • Analphabetismus und Ohnmacht
      • Adoleszenz und ungleichaltrige Intimbeziehung

Merkmale moderner Romane

  • Analyse von Romananfängen und -ausschnitten
  • Vergleich mit traditionellen Romanen

Lyrik

  • Wirkungshoffnungen und -möglichkeiten
  • Formen moderner Lyrik
  • Lyrik in unterschiedlichen Epochen
  • Analyse von Gedichten

Rhetorik

  • Analyse von politischen Reden

Sprachtheorie

  • Sprache als Zeichensystem
  • Linguistische Relativitätstheorie

Hermeneutik als Analysemethode


Mir ist in euren "Stichworten" zum Kästner-Gedicht folgendes aufgefallen:

  • Es wäre gut, wenn - orientiert an der hermeneutischen Methode - am Anfang der eigene Zugang und das erste Verständnis zu einer oder mehreren Thesen zugespitzt werden könnte, auf die nach der Analyse wieder Bezug genommen werden könnte, bestätigend, ergänzend oder korrigierend.
  • Bei dieser Art von Gedichten mit dem klaren Schwerpunkt auf den Inhalten müssen die inhaltlichen Aussagen strukturiert/gegliedert beschrieben werden, um dann zu fragen, mit welchen formalen und poetisch-rhetorischen Mitteln die Aussagen verstärkt und unterstützt werden. Dabei wird dann auch der Zusammenhang zu den Aussageabsichten hergestellt.
  • Die historisch-gesellschaftlichen und die literarhistorischen Kenntnisse lassen in der Regel differenzierende Überlegungen zu den Wirkungsmöglichkeiten zu.
  • Es ist nach charakteristischen Besonderheiten in Inhalt und Form zu suchen, die sind besonders hervorzuheben.
  • Besonderes Augenmerk ist immer auf die Überschrift, genauer auf den Zusammenhang zwischen Textaussagen und Überschrift zu legen.
  • Der eigene Text muss klar gegliedert sein. Die einzelnen Analyse- und Interpretationsaspekte müssen klar erkennbar sein - besser noch durch Teilüberschriften verdeutlicht werden. Dennoch kann man die Abschnitte gedanklich miteinander verbinden und dies auch in den Formulierungen verdeutlichen.

Die vorläufige Arbeitsplanung Δ

Konkretisierte Arbeits- und Zeitplanung Δ

Hinweise zur Erstellung des Portfolios Δ

Grundlagentext mit erläuternden Verlinkungen.


Protokollformular für Gruppenarbeit Δ


Zur Erinnerung: Analyse eines Romanauszugs

Aufgabe:

Stellungnahme zu verschiedenen Rezensionen

  1. Rezensionen (1)
  2. Rezensionen (2)
  3. Rezensionen (3)

Beschreibung der Erzählperspektive und ihrer Funktion

Darstellung der Erzähltechnik

Die auktoriale Ich-Perspektive bietet nicht nur dem Erzähler verschiedene Varianten der Auswahl von Erinnerungen, unterschiedliche Grade der Erinnerungsintensität und der Reflexion, sondern eröffnet auch für LeserInnen die Distanz zur Reflexion.

Der Erzähler äußert sich selbst (S.206) abschließend zu dieser Problematik.

Eine entscheidende Aussage dazu:

"...Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, dass uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. ..."


Stichworte zur Figurengestaltung
Michael Berg wird in verschiedenen Entwicklungsphasen beschrieben:
  1. Wandel in der Jugendzeit mit Beziehung zu Hanna
    1. Kritische Selbstbeschreibung (S. 39)
    2. Nachträgliche Reflexionen (21 - 22)
    3. Bewertende Erinnerungen (29)
    4. Abhängigkeit und Unterlegenheit gegenüber Hanna
  2. Charakterveränderungen nach der Trennung von Hanna
    1. Sucht Schuld für Trennung bei sich
    2. Undurchdringlicher Panzer gegenüber Mitmenschen (84/85)
  3. Versuch, in die Normalität zurückzukehren
    1. Ehe mit Gertrud (165 - 166)
    2. Schuldgefühle eigener Tochter gegenüber = Parallelität zu eigenem Vater
  4. Verunsicherung in der Prozesszeit
    1. Frage nach Verantwortung und Mitschuld
    2. Problem der Vergangenheitsbewältigung - persönlich und gesellschaftlich (160, 163)
    3. Außenseiter
    4. Aufrühren der Vater - Sohn - Beziehung (134 - 139)
  5. Versuch der Vergangenheitsbewältigung durch Vorlesen und Schreiben
Hanna und die anderen Personen werden zwangsläufig aus der Sicht Michael Bergs beschrieben, immer allerdings mit den Möglichkeiten des auktorialen Ichs
  1. Beschreibung (S. 14, 17 - 18)
  2. Für ihn merkwürdiges und unerklärliches Verhalten (40)
  3. Wechsel zwischen liebevollem und brutalem Verhalten
  4. Unauffälliges, pflichtbewusstes Alltagsleben

Beispielaufgabe mit dem Schwerpunkt "Figurengestaltung":
  1. Analysiere im zweiten Teil des Romans "Der Vorleser" das Kapitel 12 (S. 134 - 139)!
  2. Erläutere und bewerte, welche Bedeutung der Sohn-Vater-Beziehung im Roman zugewiesen wird!

Hausaufgabe (14.09.2006):

1. Analysiere Kapitel 2 des ersten Teils (S. 8 - 11)!
2. Erläutere, welche Bedeutung dieses Kapitel für das Textganze hat.
3. Könnte auf dieses Kapitel im Roman verzichtet werden? Nimm Stellung!

Sekundärliteratur

Link-Liste zur Auswahl von "Sekundärliteratur"
Weitere Liste Δ
Eine Diplomarbeit Δ

Florian Günnewich D GK/Eic13

Gedichtanalyse „Umsturz“ von Ursula Krechel

Das Gedicht „Umsturz“ von Ursula Krechel wurde im Jahr 1977 veröffentlicht und erzählt von einer Frau, die sich nicht mehr den gesellschaftlichen Konventionen und Gesetzen unterordnen will und von nun an eigenständig und selbstbewusst ihr Leben bestreiten möchte.

Sie fühlt sich von diesen Vorgaben durch die Gesellschaft eingeschränkt und sie möchte, so mein erstes Grundverständnis des Gedichts, auch alle anderen Frauen aufrufen, sich gegen diese Regeln zu wenden. Das Gedicht macht desweiteren fast den Eindruck eines Prosa Textes, da es nur aus einer Strophe besteht und kein Reimschema zu erkennen ist.

Einen Unterschied zu einem solchen Prosatext bilden jedoch die zahlreichen Enjambements, sowohl als auch die fehlenden Satzzeichen. Es findet sich als einzige Ausnahme lediglich ein Punkt am Ende des Gedichts, der ebenso wie die 14 unterschiedlich langen Verse ohne festes Metrum und Reim den „Aufrufcharakter“ und auch die aufgewühlte, hektische Atmosphäre unterstützt. Zu der gewissen Hektik, die das Gedicht verbreitet muss auch gesagt werden, dass auf Hervorhebungen oder Wiederholungen gänzlich verzichtet wird, wodurch man sieht, dass das lyrische Ich kurz und schlüssig auf Missstände hinweisen will und zum schnellen Handeln aufruft.

Das lyrische Ich, das sich am Ende als Frau identifizieren lässt, berichtet in den ersten Versen, gegen welche gesellschaftlich vorgegebenen Verzichte Sie in Zukunft rebellieren wird.“Von nun an stell ich meine alten Schuhe nicht mehr ordentlich neben die Fußnoten“ (Z. 1-2) ist wohl als Ganzes eine Metapher gegen die Unterordnung der Frau (gegenüber dem Mann?). Ihre „alten Schuhe“ sollen hier wohl besonders auf Emanzipation hinweisen. Sie ist nicht mehr bereit überhaupt diese Schuhe zu tragen, sie möchte sich selbst verwirklichen, sich nicht mehr zurückhalten, ihre eigenen Interessen haben und diese ausleben und sich nicht mehr in den Dienst anderer Stellen und auf Dinge verzichten.

Auch dass Sie „den Kopf beim Denken nicht mehr an den Haken“ (Z.3-4) hängen will, verdeutlicht diese Haltung. Dies ist im übertragenen Sinne, also als Metapher für eine Forderung auf Grundrechte für die Frau zu sehen, da Sie ihre eigenen Gedanken und Meinungen frei äußern möchte und Mitspracherecht fordert.

Durch „Freß keine Kreide“ in der Folgezeile und „hab keinen Bock“ (Z.8) wird ihre Wut über die Zustände klar. Sie will die Zeiten vergessen, in denen Sie sich unterordnen musste und keine Rolle spielte, und ein neues Leben beginnen, was sie sehr gut durch die Redensart „Schnee von gestern“ (Z.6) verdeutlicht. Sie möchte von nun an selbstbewusster sein und handeln(„hust nicht mehr mit Schalldämpfer“) (Z.7).

Passend für eine Schriftstellerin bezieht das lyrische Ich, das hier wohl die Autorin selbst ist, dieses Problem in Form einer Metapher auch auf ihre Tätigkeit, sodass dieser Text einen sehr persönlichen Charakter erhält („...Tinte mit Magermilch zu verwässern) (Z.9). Sie will von nun an direkt Dinge ansprechen und nichts mehr beschönigen und um den heißen Brei herum reden und sich vor allem nicht in ihrem „Nest“ (Z.10) verstecken. Dies stellt ebenfalls eine Metapher für die Rolle der Frau in der Gesellschaft dar. Sie möchte nicht mehr Zu hause in der Wohnung die Hausarbeit erledigen, sondern auch eigene Sachen unternehmen und frei sein.

„Den leeren Käfig“ (Z.12), als Metapher für die zwanghafte, eingeengte und gefangene Situation der Frau soll man symbolisch ins Museum verfrachten, um der Welt zu zeigen, dass die Zeiten der Unterordnung der Frau endgültig vorbei sind.

Der Titel (Umsturz) des Gedichts könnte kaum passender sein. Er ist kurz und eindeutig wie das Gedicht selbst, und stellt in kurzer Form das dar, was die Autorin in ihren Ausführungen in dem Gedicht fordert, nämlich den Aufbruch in ein neues Leben für die Frauen, denen es so ergeht wie ihr.

Das ganze Gedicht stellt also, wie anfänglich vermutet, einen Aufruf zum Handeln dar, einen Aufruf sich als Frau gegen die Gesellschaft zu wehren und aus der „Gefangenschaft“ dieser auszutreten und selbstständig zu werden.

Die Wirkungsmöglichkeit des Gedichts lässt sich nur schwer einschätzen. Vergleicht man die Umstände damals mit den heutigen, so lässt sich feststellen, dass die Forderungen Krechels mehr oder weniger Realität geworden sind. Die Frau heute sitzt nicht mehr nur Zu Hause und erledigt die heutige Arbeit sondern erhebt wie Männer auch Anspruch auf einen Beruf und freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Diese Emanzipationsbewegung hat natürlich viele Ursachen, ich wage an dieser Stelle nicht einzuschätzen wie hoch die der Lyrik bzw. der Literatur und speziell dieses Gedichts gewesen sind. Die sprachlichen Voraussetzungen durch die verwendete Umgangssprache, Redensarten und kurze und klare Form stellt Krechel in jedem Fall zur Verfügung.


Tanja Huck Gedichtanalyse "Das Bürofenster"

Gedichtinterpretation : Das Bürofenster (Roman Ritter)

Das Gedicht „Das Bürofenster“, verfasst von Roman Ritter, ist 1978 veröffentlicht worden und gehört daher einer Epoche an, die man als Alltagslyrik oder auch Lyrik der neuen Subjektivität bezeichnet. Das wesentliche Bestreben dieser Epoche war, auf traditionelle Stilmittel zu verzichten und stattdessen künstlerisch Momentaufnahmen von Alltagssituationen zu beschreiben. Dabei stehen das Ich und die subjektive Wahrnehmung im Vordergrund.

In dem Gedicht „Das Bürofenster“ geht es um das sterile, einsame und langweilige Arbeitsleben im Büro. Im Mittelpunkt des Gedichtes steht ein Bürofenster, durch welches das lyrische Ich mit unterschiedlichen Wahrnehmungen der Außenwelt konfrontiert wird und sich damit auseinandersetzt. Beim ersten Lesen fällt auf, dass das Gedicht von einer erzählerischen Form geprägt ist und nicht etwa einem traditionellen Gedichtsschema ähnelt, so dass sich das Gedicht einfach und verständlich lesen lässt. Gelingt es dem Sprecher des Gedichtes aber auch, den Leser von seinen Gefühlen und Empfindungen zu überzeugen?

Das Gedicht lässt sich formal in 7 Strophen gliedern, die alle von einer unterschiedlichen Verszahl bestimmt werden. Auffällig ist, dass im gesamten Gedicht kein Reimschema vorhanden ist.

In der ersten Strophe wendet sich das lyrische Ich seiner Arbeit am Bürotisch ab und schaut durch ein Fenster. Dabei fokussiert es direkt die Natur, genauer betrachtet die Baum -und Pflanzenwelt (“Kastanienäste“ V. 3, “Stück Rasen mit Buschwerk“ V. 4, “Stamm einer Linde“ V.5). Das lyrische Ich fühlt sich anscheinend in seinem Büroraum eingeengt und sehnt sich nach Freiheit und Abwechslung. Unterstützt wird dieser Wunsch in Vers 1 durch das Umdrehen des lyrischen Ichs. Es verdeutlicht eine Abgrenzung zwischen Büro und Außenwelt. Das Fenster scheint hier eine Fluchtmöglichkeit darzustellen.

Fasziniert von dem Anblick der Natur, beschließt das lyrische Ich in der darauf folgenden Strophe zum Fenster zu gehen um sich ein genaueres Bild zu machen. Auch hier wird wieder eine Aufzählung benutzt, um die Natur in den Vordergrund zu stellen. Dabei handelt es sich um dieselben Betrachtungsobjekte, die schon in der ersten Strophe genannt wurden (z.B.“ Linde“ V. 7), nur dass diese genauer beschrieben werden. Das lyrische Ich ist dermaßen in seine Beobachtungen vertieft, dass es beim Betrachten Glücksgefühle empfindet. Verstärkt wird diese Aussage anhand der Verse 9-10: “den Rasen, der so grün ist, dass man beinahe lachen muss“. Durch das Verwenden der Begriffe “Sonne“ (V.12), “Wind“ (V.8) und “grün“ (V.9) wird ein Eindruck von Leben und Bewegung vermittelt. Anscheinend ist dies ebenfalls als Gegensatz zu einem starren und eintönigen Büroalltag zu verstehen.

Die dritte Strophe verstärkt die Entwicklung des Geschehens. Das lyrische Ich öffnet das Fenster und hat nun die Absicht, die Natur nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren und zu riechen. Nämlich spüren anhand der Wärme (V. 15) und riechen anhand des blühenden Flieders (V.15). Das lyrische Ich verspürt den Wunsch mit weiteren Sinnen die Natur zu erfassen.

Gepackt von den Sinnen, entfachen in der vierten Strophe bei dem lyrischen Ich Überlegungen, was es draußen auf dem Rasen unternehmen könnte. Dabei assoziiert es den Rasen mit einem “weichen Fell“ (V. 17) was Geborgenheit ausdrückt. Auf dem Rasen, da könnte es sich in die Sonne legen (V. 18), lesen (V.19), herumschmusen (V.20), nichts tun (V.21), essen (V.22), Fußball spielen (V.23). All das, was dem Büroalltag nicht entspricht. Das lyrische Ich genießt aber diese Träumerei.

Erst in der fünften Strophe realisiert das lyrische Ich, dass es von seiner Arbeit abgelenkt wird und es wird ihm bewusst, dass der Chef es nicht gerne sieht, “wenn man am Fenster steht und hinausschaut“(V.24-25). Daraufhin geht es wieder zu seinem Schreibtisch zurück. Die Erinnerung an den Chef und der Weg zurück zum Schreibtisch beschreiben den Zwang, dem das lyrische Ich sich ausgesetzt fühlt.

Auch wenn seine Tagträumerei durch den Arbeitszwang zerstört wurde, macht sich das lyrische Ich in der letzten Strophe des Gedichts wieder Hoffnung, denn dieser nimmt sich vor, ein paar Zweige, die beim Beschneiden der Hecken herabfallen, in eine Vase zu stellen, die auf dem Büroschrank steht (V. 27-30). Denn dadurch kann das lyrische Ich, gefangen in einem einengenden und kahlen Bürozimmer, ein Stück Natur und Leben in seine unglückliche Welt nehmen. Auch wird dadurch deutlich, dass mit dem Arbeiten im Büro ein Stillstand assoziiert wird.

In der Gesamtbetrachtung in der voran angeführten Analyse lässt sich die Wirkungsabsicht des Autors erschließen. Der Sprecher drückt mit seiner Handlung, d. h. mit dem Abwenden von seiner Arbeit und der Naturbetrachtung, eine innere Unzufriedenheit und Leblosigkeit im Büro aus, die der Leser nachvollziehen soll. Die Geschehnisse, die aus dem Bürofenster wahrgenommen werden, leiten den Leser durch die erzählerische Sprachform zu einer detaillierten Darstellung eines verhältnismäßig kurzen Zeitabschnittes. Der Autor schafft es aufgrund einer Momentaufnahme einer Alltagssituation, die Gefühle und Empfindungen des lyrischen Ichs darzustellen, so dass die Subjektivität eine hohe Bedeutung bekommt.

Die Reduktion und das weitestgehende Wegfallen von traditionellen Stilmitteln bietet dem Leser zudem umso mehr Raum, Sinnesempfindungen wahrzunehmen und sich darauf zu konzentrieren. Demzufolge war es offensichtlich nicht die Intention des Autors, dass der Leser sich bei dem Auseinandersetzen mit dem Gedicht ausführliche Gedanken über die verwendeten Stilmittel machen muss.

Auch wenn nicht jeder Leser mit einem Büroleben konfrontiert ist, können sich verschiedene Lesergruppen in die Gefühle und Empfindungen des lyrischen Ichs hineinversetzen, da es viele Situationen gibt, bei denen man von der Natur bzw. schönem Wetter abgelenkt wird. Schüler kennen dieses Gefühl z.B. beim Hausaufgaben machen an warmen Sommertagen.