Herzlich willkommen,

auf der Unterrichtsplattform (Wiki) unserer Schule. Hier bereiten wir Unterricht und Projekte vor. Dieses Wiki ist Teil unserer offiziellen Schulhomepage.

Vertriebene / Erinnerungen

Erinnerungen an die Vertreibungen, die Flucht und Integration

Bitte auch hier Namen angeben, damit ich weiß, wer recherchiert hat oder Interviews gemacht hat.

Organisierte Vertreibung

Nach dem Krieg begann die systematische Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Von April 1945 an vertrieben die neuen polnischen Behörden die dort ansässige deutsche Bevölkerung. Dennoch kam es auch danach noch zu zahlreichen Verbrechen an der deutschen Zivilbevölkerung. Hierher kamen Russen und Ukrainer. Auch einige ehemalige sowjetische Arbeiter siedelten sich hier an.

 Von Matthias und Marc

Zeitzeugen

1) Wann sind Sie geflohen?

04.02.1945- mai 1945

2) Wie alt waren Sie?

14 Jahre

3) Von wo sind Sie geflohen?

von Zehden/Oder

4) Wohin sind Sie geflohen?

Lauenburg/Elbe

5) Wie sind Sie geflohen?

Von Zehden mit der Kleinbahn 17 km bis Bad Freienwalde; mit kleinen Zügen bis nach Templin; von da an zu Fuß und mit dem Militär

6) War die Flucht vorbereitet?

Nein

7) Was geschah mit Ihrer Familie?

Vater und Bruder in russischer Gefangenschaft, Mutter mit mir geflohen, Oma dort geblieben und verstorben

8) Wurden Sie gut aufgenommen?

Zuerst Flüchtlingslager in Lauenburg, von da dann in Familien verteilt

9) Haben Sie heute noch Bezug zu Ihrer Heimat?

Ja, einmal im Jahr im Heimattreffen

zusammenfassender Text:

Meine Großmutter, geboren am 17.10.1930, war 14 Jahre alt und lebte mit ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrer Großmutter in Zehden/Oder, als sie am 04. Februar 1945 überrascht mit ihrer Mutter aufbrechen musste, die Russen kamen. Ihre Flucht trieb sie über Bad Freienwalde und Templin nach Lauenburg. Dort kamen sie im Mai 1945 an. Sie wurden in einem Flüchtlingslager vorübergehend untergebracht, bis sie schließlich in einer Familie untergekommen sind. Ihr Vater und ihr Bruder waren in russischer Gefangenschaft, ihre Großmutter ist einem natürlichen Tod daheim verstorben. Der Kontakt zu ihrer alten Heimat ist ihr sehr wichtig, einmal im Jahr macht sie sich, trotz ihres Alters und gesundheitlichen Problemen, auf den Weg und besucht das Heimattreffen.

von Marie


Was bedeutet Vertreibung?

Vertreibung ist die erzwungene Verdrängung von Menschen aus ihrer Heimatstadt. Vertreibung ist meistens mit Androhung von Gewalt verbunden. Die Menschen wurden zwangsumgesiedelt oder mussten flüchten.


Flucht aus der Heimat

Meine Oma musste 1946 aus Deutsch-Rasselwitz in Schlesien fliehen, weil Polen kamen und das Land besetzten.

In das Haus meiner Oma zogen eine Frau mit ihrer 11-jährigen Tochter und ein älterer Mann ein. Meine Oma musste sich mit ihren drei Schwestern und ihrer Mutter in eine Kammer zurückziehen. Die gesamte Einrichtung wurde aus dem Haus geschmissen und durfte von Omas Familie nicht mehr angefasst werden.

Eines Tages stritt sich meine Oma, damals neun Jahre alt, mit der Tochter der Frau darum, wem das Haus gehöre. Als das Mädchen ihrer Mutter von dem Streit und der Behauptung, das Haus würde Omas Familie gehören, berichtete, musste Omas Mutter ins Gefängnis. Nach zwei Tagen jedoch konnte Omas große Schwester die Freilassung aushandeln.

Schließlich bechloss die ganze Familie zu fliehen. Nach zwei Übernachtungen in der Schule von Leobschütz stiegen sie dort in Viehwaggons eines Güterzuges. Während sie über Deutsch-Rasselwitz nach Bautzen fuhren, sangen alle "Oh du schönes Heimatland..." (Besonders das hatte sich im Gedächtnis meiner Oma und ihrer Schwestern eingebrannt).

In ihrem Waggon befanden sich ungefähr fünfzig andere Flüchtlige. In Nordheim stieg Oma mit ihrer Familie aus und wurde nach Läusen durchsucht. Danach stiegen sie um in Lastwagen und wurden nach Bodenwerder gefahren. Von dort aus wurden die einzelnen Familien in die umliegenden Dörfer verteilt. Die Familie meiner Oma wurde nach Ottenstein gebracht, wo sie von einer Familie aufgenommen wurden.

Sie blieben bei der Familie, bis die Kinder erwachsen waren.Sogar heute noch ist meine Oma gut mit der Tochter der Familie befreundet meine Oma wohnt gleich in der Nachbarschaft.

Julia Z.


Die Integration von Flüchtlingen

Meine Großeltern haben mir, soweit sie sich erinnern konnten, erzählt, dass sie von den Vertreibungen nicht direkt betroffen waren. Jedoch haben sie miterlebt, wie Flüchtlinge aus dem Osten in die Städte kamen und um Unterkünfte baten.

So musste meine Oma zum Beispiel mit ihrer ganzen Familie aus der Wohnung, in der sie lebten, ausziehen und bei einer Nachbarfamilie einziehen, um den Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten.

Man nahm also seine Papiere und sonstige wichtige Dinge und lebte von da an für einige Zeit mit einer oder evtl. auch mehreren Familien unter einem Dach. Dass das eng und wenig komfortabel war, kann sich wohl jeder denken!

von Jenny S.


Vertreibung aus Ostdeutschland

Meine Großmutter hat mir von der Flucht nach Westdeutschland berichtet:

Im Jahr 1944, als sie 4 Jahre alt war, wollten sie und ihre Familie vor den Russen in den Westen Deutschlands fliehen. Als sie auf dem Weg waren - mit einer Pferdekutsche - haben sie es nicht mehr geschafft. Sie wurden eingeholt und mussten zurück in ihr Heimatdorf.

Dort wurde ihr ganzer Besitz entweder zerstört oder von den Russen in Beschlag genommen. Dort mussten sie dann leben, aber meine Großmutter ist im Jahr 1955, als sie 15 war, alleine in den Westen geflohen.

Von Nadine Kaim


Vertreibung aus Waldo

Am 1.März 1945, als ich 17 Jahre alt war, bin ich mit meiner Mutter aus Waldow, Kreis Rummelsburg, geflohen. Einen Tag vor der Flucht wurde uns gesagt, unsere Sachen zu packen, sonst würden wir von den Russen erschossen werden. Ich hatte das Gefühl, dass wir die letzten Flüchtlinge aus diesem Ort waren.

Dann ging es los mit dem Militär vom Heimatort bis nach Stolp, dort weiter mit einem Zug nach Hebron-Damnitz, wobei wir auf Munitionskisten sitzen mussten.

Bevor wir los fuhren, wurde ein Zug neben uns zerbombt. Fünf Kilometer ging es zu Fuß unter Beschuss weiter nach Lauenburg, wo ich und meine Mutter auf Kobsens (später die Familie meines Mannes) gewartet hatte.

Währenddessen versorgten wir 4 Kinder, die nichts zu essen hatten. Am Abend, als alles brannte, ging der letzte Zug in Richtung Danzig. Während der Fahrt haben wir viele Flüchtlinge aus dem Zugfenster gesehen.

Angekommen in Godenhafen dachten wir, zum ersten Mal schlafen zu können, was wir wegen Bombenangriffen nicht konnten. Diese Adresse in Godenhafen haben wir schon vor der Flucht bekommen. Dort haben wir dann meinen Vater gefunden und dachten, ein Quartier zu haben.

Doch es ging sofort auf ein Schiff, das bis zum nächsten Morgen dort stand. Mein Vater besuchte uns auf dem Schiff im Kohlenkeller, wo wir schlafen konnten, und brachte uns Verpflegung, wobei wir wieder andere Kinder mitversorgten.

In dieser Nacht gab es weitere Bombenangriffe, die uns aber nicht trafen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Hela, wo wir einige Stunden Aufenthalt hatten und danach weiter in See stachen, nahe der pommerschen Küste.

Während dieser Schiffsfahrt wurden wir von Tieffliegern und von der an der Küste vorgerückten Artellerie der Russen aus beschossen, doch wieder traf uns keine Bombe.

Diese Fahrt sollte bis nach Dänemark gehen, wo die Familien der Organisation TODT versorgt wurden. Doch meine Mutter und ich strebten es an, in Stralsund auszusteigen. Von Stralsund nach Berlin und weiter nach Halle. Dort gingen wir zum Bruder meines Vaters und dessen Frau (mein Onkel und Tante), die aber auch kaum etwas zu essen hatten.

Dort sahen wir auch die Bombardierungen in Dresden und Halle. Nachts hielten wir uns meistens in Bunkern auf. Am nächsten Morgen, als meine Mutter und ich den Bunker verließen, lagen an den Straßenrändern verkohlte Leichen.

Meine Mutter befürchtete, dass auch dahin die Russen kommen würden und drängte mit der Bahn nach Dänemark zu fahren. Unterwegs gab es wieder Fliegeralam.

Dann im Luftschutzkeller befanden sich Leute der Organisation TODT und ich fragte sie nach meinem Vater, der durch die Leitstelle von TODT in Tilsid sehr bekannt war. Daraufhin sagten sie wörtlich: „Wenn ihr den Grommeck finden wollt, müsst ihr ins Schweriner Schloss fahren.“ Wir fuhren sodann nach Schwerin, dort blieben wir (mein Vater, meine Mutter und ich) von nun an zusammen.

Mein Vater bekam zwei Pferde, einen Ackerwagen mit Plane und dort hinter gehangen eine Kutsche geschenkt, mit der wir bis nach Lübeck uns durchschlugen.

Wir glaubten, in die Englische Zone zu gelangen, doch dann zeigte ein gefangener Franzose, mit dem es uns gelang zu sprechen, einen Weg aus der Stadt und dann zu einem Gut zu kommen. Der Gutsbesitzer von diesem Anwesen kümmerte sich dann um uns.

Mein Vater zog seine Uniform aus und versteckte sie in einer Wanne. Mein Vater war nämlich kein Nazi und war nicht in der Partei.

Gut gestärkt flohen wir nach Hamburg und dann nach Bremen, wo wir unterwegs bei einer freundlichen Familie inmitten von Obstplantagen schlafen durften. Am nächsten Tag kamen wir in eine Scheune, wo viele Flüchtlinge lagerten. Die Flüchtlinge hatten Läuse von Kopf bis Fuß und mein Vater puderte alle ein, um die Läuse zu vernichten.

Dann ging es weiter auf einer Landstraße nach Bremen-Blumetal bis zur Schwester meiner Freundin. Mit erbetteltem Essen für uns und die Pferde ging es weiter in Richtung Westen. Wir hatten kein Geld mehr, da meine Mutter ihre Handtasche bei einem Fliegerangriff verloren hatte.

Die Tour ging durch den ganzen Sommer, ein halbes Jahr lang lagen wir auf der Straße. Wir schliefen im Planwagen und baten Bauern um Wasser und Hafer für die Pferde. Dann zogen wir nach Ostfriesland (jetzt war es Oktober ).

Da es Samstag war und die Auricher Behörde geschlossen war, wurden wir nach Ostgroßefehn geschickt. Die Menschen dort waren alle freundlich. Vom Bürgermeister wurden wir dann zu einem Haus geschickt, wo wir untergebracht wurden. Es war die beste Unterkunft, die man sich je hätte vorstellen können. Die Pferde, die mein Vater geschenkt bekam, wurden zwei Häuser weiter untergebracht, so dass er sie immer gut versorgen konnte.

Ein Schulrat namens Freise aus Emden, der mit zur Familie dieses Hauses gehörte und mit uns in diesem modernen Haus wohnte, half meinem Vater zur ersten Integration. Unsere neue Wohnung, die wir von ihnen bekamen, war eine Mansardenwohnung mit großen Fenstern und freundlich eingerichteten Möbeln, wie wir uns es hätten nie erträumen lassen.

Mein Vater wurde stellvertretender Bürgermeister für alle Flüchtlinge. In dieser schönen Wohnung durften wir 10 Jahre lang mietfrei wohnen. Die Integration begann also im Oktober 1945, die schleichend bis 1948 ging. Alle waren sehr freundlich zu uns.

Von Gabi Kobs


Befragung einer Zeitzeugin

Auf Grund der Teilnahme an einem Politikwettbewerb der Bundeszentrale für polititsche Bildung zum Thema Vertreibung habe ich meine Oma, die damals aus Ostpreußen fliehen musste, über ihre Flucht befragt.

Meine Oma hat mir erzählt, dass sie am 25.Januar 1945 zusammen mit ihren Eltern, ihrem Mann, ihren Schwiegereltern, einer Tante und einer Cousine aus Lohberg(Kreis preußisch Holland) in Ostpreußen vor den Russen fliehen musste. Zum Zeitpunkt der Flucht war sie 26 Jahre alt. Der Bürgermeister hatte die Bewohner von Lohberg und Umgebung zur Flucht aufgerufen, da die russische Armee immer näher kam. Sie durften nur ein bisschen Handgepäck zusammenpacken dann wurden die Pferde eingespannt und meine Oma und ihre Familie mussten ihren Hof verlassen. Von Lohberg ging es dann auf ein Gut, wo sie etwa drei Wochen blieben. Auf dem Gut waren noch sehr viele andere Flüchtlingsfamilien. Nach den drei Wochen brachen dann alle Richtung Haff auf, weil sie auf dem Gut auch nicht mehr sicher vor den Russen waren. Kurz bevor sie auf dem Haff angelangten mussten sie noch die Nehrung überqueren. Meine Oma hat mir erzählt, dass die Leute so lange wie möglich versucht haben nicht über das Haff fliehen zu müssen, da sie gehört hatten, dass viele Menschen schon ertrunken seien und die Pferdewagen auch auf dem Eis einbrechen würden. Die Familie meiner Oma versuchte auch so lange wie es nur ging die Flucht übers Haff hinauszuzögern doch sie wurden von der Partei getrieben das Haff endlich zu überqueren. Eigentlich sollten sie ihre Pferde und den Wagen stehen lassen und zu Fuß dass Haff überqueren doch der Vater meiner Oma widersetzte sich dem und überquerte das Haff mit Pferd und Wagen und sie hatten Glück, der Wagen und die Pferde brachen nicht ein. Kurz nachdem meine Oma und ihre Familie vom Haff runter waren fingen russische Kampfflugzeuge an die flüchtenden Menschen auf dem Haff zu bombardieren. Die Leute versuchten so schnell wie möglich aus der Nähe des Haffs weg zu kommen, denn die Bomben schlugen auch auf dem Festland ein. Vom Haff ging es dann für meine Oma nach Kahlberg und von da fuhren sie nur noch durch den Wald, da sie dachten dort wären sie sicher vor Bomben. Sie fuhren jeden Tag ein Stück mit dem Pferdewagen. Manchmal kamen sie abends auf einem Hof unter der am Wegesrand lag, manchmal mussten sie aber auch bei sehr niedrigen Temperaturen draußen auf dem Pferdewagen schlafen. Essen bekamen sie sehr oft von Bauern, aber manchmal hatten sie auch gar nichts zu essen. Meine Oma hat mir erzählt, dass manche Flüchtlinge in Pommern von den Russen gefangen worden, so auch ihre Schwiegermutter und einige Bekannte aus Ostpreußen. Nach sieben Wochen kamen sie dann endlich in Schleswig-Holstein an, wo sie in Vosberg dann auf einem Bauernhof Unterschlupf fanden, dort bekamen sie dann auch von dem Bruder ihrer Schwiegermutter die Nachricht, dass ihre Schwiegermutter aus dem Lager der Russen nach Sachsen fliehen konnte und sich nun in Bremen aufhalten würde. Die Familie meiner Oma wurde auf dem Bauernhof sehr freundlich aufgenommen, ihnen wurde ein Zimmer zur Verfügung gestellt und die Pferde konnten mit im Stall stehen. Im Oktober 1945 kamen sie dann nach Siebenhöfen(Kreis Lippe) und wurden vom Kreis auf Höfe verteilt. Auf dem Hof in Siebenhöfen hat man sie sehr freundlich aufgenommen und mein Opa und meine Oma haben dort auch Arbeit bekommen. Nachher haben sie dann einen Teil des Haupthauses bezogen. In Siebenhöfen haben sie dann schließlich ihre neue Heimat gefunden und ihre beiden Kinder sind auf dem Hof aufgewachsen. Eine enge Freundschaft ist zwischen den Hofbesitzern und der Familie meiner Oma entstanden, die bis heute noch besteht. Aus der Sicht meiner Oma war der Integrationsprozess sehr unkompliziert und ihre Integration ist sehr gut gelungen. Die Menschen wollten sehr gerne helfen und haben auch geholfen, was entschieden zum Integrationsprozess beigetragen hat. Kontakt zur ihrer alten Heimat hat meine Oma nicht mehr, da ihre Erinnerungen an die Flucht sehr schrecklich sind außerdem möchte sie ihre alte Heimat so in Erinnerung behalten, wie sie vor der Flucht war. Vor ein paar Jahren hatte sie sich doch einmal entschieden ihre alte Heimat zu besuchen doch dann konnte sie diese aus gesundheitlichen Gründen leider doch nicht machen. Meine Oma bekommt aber jedes Jahr ein Buch über ihre alte Heimat und ein guter Freund von ihr fährt manchmal noch in die alte Heimat und erzählt ihr dann von ihrem alten Hof. Heute wohnen Polen auf ihrem alten Hof, die den Hof immer mehr verfallen lassen. Meine Oma ist der Meinung, dass man sich, so schrecklich die Flucht auch war, an sie erinnern muss, da es zum einem sehr wichtig ist zu wissen was damals passiert ist und zum anderen sollen die Menschen verstehen, das so etwas schreckliches nie mehr passieren darf.

Lisa Lohmeier


Geschichte einer Zeitzeugin

Frau B. hatte am 2. Weihnachtstag 1944 gheiratet. Ihr Mann hatte Heimaturlaub.

Im Januar 1945 wurde ihre Familie aus Schlesien vertrieben. Sie mussten alle Tiere (Kühe,Hunde,Schweine) zurücklassen. Sie wohnte 9 Kilometer westlich der Oder.

Auf dem Treck wurden sie oft überholt, da sie einen vollen Wagen hatten, den das Pferd nur langsam ziehen konnte. Den Wage mussten sie bald zurücklassen. Nach einer ersten Zwischenübernachtung bei Verwandten folgte eine Weiterfahrt per Zug nach Dresden und dann nach Gelsenkirchen, da dort Verwandte von ihren Schwägerinnen lebten.

Frau B. fühlte sich dort aber nicht wohl und wollte aufs Land. Nach einigen Tagen wurde sie einem Transport zugeteilt. Es sollte nach Lippe gehen. Durch Schäden an der Eisenbahnstrecke ging der Weg über Kassel dann nach fast 2 Tagen zu Ende. Dort wurden die Leute zunächst im Saal des Restaurants zur Burg auf Stroh untergebracht.

Am nächsten Tag kam Frau B. mit dem letzten Bus nach Herrentrup und übernachtete zunächst bei einer Witwe in einer Kammer. Die Witwe war verwundert, dass Frau B. keine Möbel hatte, denn es waren eigentlich Flüchtlinge mit Möbeln gemeldet. Das waren in der Regel im Ruhrgebiet ausgebombte Flüchtlinge und keine Vertriebenen aus dem Osten.

Nach einer Übernachtung ging sie am nächsten Tag zu Bürgermeister B. Die Familie nahm Frau B. auf und gab ihr das Bürgermeisterzimmer.

Im April 1945 wurde Tochter Inge geboren. Noch sieben Tage vor der Beburt hatte Frau B. Kartoffeln gepflanzt. Sie musste mithelfen, da Bürgermeister B. von den Amerikanern abgeholt wurde und erst nach drei Tagen wiederkam. Er war entnazifiziert worden mit einigen anderen Dorfbürgermeistern.

von theresa


Die Erinnerungen meiner Oma

Meine Oma hatte damals einen großen Hof mit Ihrer Familie. Bei meiner Oma auf dem Hof lebten vier Flüchtlingsfamilien und außerdem noch die Familie meiner Oma. Es waren also in etwa 25 Leute, die meine Oma durchfüttern musste.

Doch dies klappte auch über mehrerer Jahre hinweg gut, denn es gab auf dem Hof einen Gemüsegarten und natürlich auch Felder.

Die Flüchtlinge sahen wegen der langen Reise sehr schlecht aus und mussten sich erst einmal erholen. So konnten sie die ersten Wochen nicht mit auf dem Felde etc. helfen!

Aber natürlich gab es auch schlechte Zeiten, in denen die Ernte schlecht war und die Flüchtlinge kaum ernährt werden konnten. In diesen Zeiten gingen sie durchs Dorf und bettelten, denn die Felder brachten nicht genug Ernte um alle zu ernähren.

Doch alles in einem konnten die Flüchtlinge ernährt werden und alles hat mehr oder minder mehr als gut geklappt.

Im Anhang wird bald noch ein Vertriebenenschein nachgereicht!!

Von Marc und Matthias


Fragen an meine Großeltern zu den Vertriebenen

Woher kamen die Vertriebenen, die nach Blomberg kamen?

Ostpreußen, Schlesien, Pommern

In welchen Jahren sind die Vertriebenen gekommen?

Sie kamen während und nach dem 2. Weltkrieg, die meisten in den Jahren 1946-1949. Wobei die Jahre 46/47 besonders schwer waren, denn in denen hatte man selber wenig Nahrungsmittel und Geld.

Wo sind die Vertriebenen untergekommen?

Die Menschen, die hier in der Umgebung Verwandte hatten, konnten natürlich bei denen unterkommen. Doch die meisten kamen hierher, kannten niemanden und waren zunächst total fremd.

Viele kamen in Massenquartieren unter, d.h. zum Beispiel in Turnhallen. Oft nahmen auch die einheimischen Bewohner Vertriebene auf.

Aber anfangs war es natürlich schwer für die Vertriebenen, sich in der fremden Stadt richtig einzuleben, doch sie waren immer freundlich, anständig, fleißig und haben sich bemüht, Arbeit zu bekommen.

Meine Eltern hatten eine Wohnung an ein Ehepaar mit Tochter aus Ostpreußen vermietet, wobei die Familie beim Hausbau geholfen hatte.

Was haben sie hier gemacht?

Viele Vertriebene waren schon in der alten Heimat Bauern und haben nun hier weiter in der Landwirtschaft geholfen. Sie versuchten natürlich auch anderswo Arbeit zu finden, doch dies war zu dieser Zeit, kurz nach dem Krieg, schwierig. Dafür halfen viele beim Aufbau der zerbombten Städte, wie z.B. in Hameln.

Wie wurden sie aufgenommen und was haben sie später gemacht?

Natürlich war die Aufnahme zuerst schwierig, da man ja zu der Zeit selbst kaum was hatte, aber man hat auch schnell erkannt, dass beide Seiten für einen schnellen Aufbau und eine Besserung der Lage waren.

Sie kamen auch in einer großen Zahl, da kaum jemand in der DDR bleiben wollte, da dort die Lage noch um einiges schlechter war als hier in der BRD. Da Lippe nicht so zerbombt wurde wie viele andere Städte, kamen viele in diese Region.

Später, in den 50-iger Jahren, haben viele ein eigenes Heim errichtet und Menschen aus der Region geheiratet. Auch heute haben wir noch Kontakt zu Vertriebenen, die z.B. auf der Steinkuhle gebaut haben.

Wie stand man selber zu den Vertriebenen?

Ich muss sagen, dass mir die Vertriebenen sehr leid taten, da sie sich zunächst hier überhaupt nicht wohl gefühlt haben und ihre Heimat sehr vermisst haben. Ich jedenfalls habe mich aber auch schnell mit einigen von ihnen angefreundet und pflege heute noch immer Kontakt.

Von Yvonne Reimann


Erinnerungen einer älteren Dame

Letztens konnte ich endlich eine ältere Dame zu ihren Erlebnissen der Vertreibung befragen.

Die nun 83 jahre alte Frau erzählte mir, dass sie zur Zeit der Flucht 21 Jahre alt war. Bis zu jener Zeit hatte sie ein ganz normales Leben als Verkäuferin geführt. Als jedoch die Zeit des Krieges gekommen war und die ,,Russen´´ nur noch vier Kilometer von ihrem Wohnort entfernt waren, veränderte sich ihr Leben schlagartig.

Binnen kurzer Zeit musste sie sich unvorbereitet und alleine auf die Flucht begeben. Sie hatte jedoch das Glück, auf einen Soldatenwagen zu treffen, der sie ein Stück mitnahm und ihr so den langen Fußmarsch ersparte. Sie begab sich zu Verwandten, wo sie schließlich Unterschlupf fand.

"Als", wie die Dame jedoch sagte, "man die Schüße der Russen schon hören konnte", musste sie sich im Januar 1945 erneut auf die Flucht begeben.

Wieder von einem Soldatenwagen mitgenommen, suchte sie ihre Verwandten in Hinterpommern auf . Während ihres zweimonatigem Aufenthalts dort arbeitete sie bei der OTS, bei der sie für die Lohnbuchhaltung zuständig war.

Nach nicht allzu langer Zeit erwischte sie einen Lazarettzug, mit dem sie schließlich bis nach Mecklenburg gelangte.

Dort fand sie im März schließlich ihre Mutter als auch ihre Schwester wieder. Zusammen kamen sie bei Bauern unter, bei denen sie als Arbitskräfte mitarbeiteten. So hatten sie wenn auch einen notdürftigen Unterschlupf und Essen.

von Christine Kassir

Eine weitere Befragung

In einer weiteren Befragung einer ebenfalls älteren Dame konnte ich einen noch weiteren Einblick in die damalige Situation erhalten.

Als sie zwanzig Jahre alt war, lebte sie dicht an der Polnischen Grenze, musste jedoch schon bald flüchten, da die Russen von Polen aus anrückten.

So kam es , dass sie sich nach Schlesien hin zu Fuß aufmachte. Sie erinnert sich noch genau an die umgekippten Baumstämme, die den Weg versperrten und an all die bei der Glätte tödlich verunglückten Trucks.

Da zu der Zeit jedoch eine ,,fürchterliche Kälte´´ herrschte, litt sie schon bald an Erfrierungen an den Füßen. Nur durch Zufall traf sie auf Helfer des Roten Kreuzes. Von dort aus wurde sie an ein Feldlazarett vermittelt und bekam dort schließlich Arbeit.

Auch wenn sie mit einem Stundenlohn von 49 Pfennig nicht allzu gut dran war, musste sie, wie sie sagte, jedoch froh sein eine Unterkunft gefunden zu haben.

Doch schon bald kamen die Russen auch nach Glazen und so musste sie sich erneut auf die Flucht begeben. Es traf sich , dass sie Unterschlupf bei Bauern fand. An diese Zeit hat sie jedoch überwiegend nur schlechte Erinnerungen. ,,Ich wurde von ihnen sehr schlecht aufgenommen, nur geduldet und musste mir so oft Beschimpfungen anhören´´, erinnert sich die alte Dame.

Von dort ging es nach einiger Zeit für fünf Jahre an die Nordsee. In dieser Zeit hatte sie das Glück, ihre Geschwister wiederzufinden.

Später lernte sie dann ihren zukünftigen Mann kennen.

von Christine Kassir


Zeitzeugin

Meine Mutter betreut eine 94-jährige Dame, die aber nicht gerne über den Krieg redet, weswegen ich sie leider nicht persönlich befragen kann.

Aus einer nebensächlichen Unterhaltung konnte meine Mutter heraushören, dass die Familie der Dame zur Zeit des Krieges selbst flüchten musste, aber auch ihr Zuhause mit Amerikanern teilen musste.

Die Amerikaner waren keine angenehmen Gäste und behandelten die Gastgeber schlecht. Um diese loszuwerden, täuschte die Familie der Dame mit farbigen Punkten auf der Haut die Masern vor. Aus Angst vor Ansteckung zogen die Amerikaner schnellstmöglich weiter.

von Julia Braun


Zeitzeugin: Meine Großmutter

Ich habe meine Großmutter, Hannelore Türling (72), Befragt was sie denn noch über die Kriegszeit weiß und und sie hat mir folgendes erzählt.:

Sie lebte auf einem Bauernhof in Preußen und waren recht wohlhabende Leute. Doch dann kam die Nachricht, dass die russen kommen und mussten sofort verschwinden, ihnen wurde alles weggenommen. Der Hof, die Tiere, einfach alles. Sie waren auf der Straße. Meine Großmutter schlug sich zusammen mit ihren Eltern, ihren 5 Geschwistern und alles was sie tragen konnten bis nach Höxter durch und lebten dort einige Zeit als Flüchtlinge bei verwandten. Später zogen sie nach Ratsiek und bauten sich eine neue Existenz auf.

Daniel Frieske