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Schule2008 / Spitzer

Interview: Das Gehirn lernt immer

Biographie:

  • deutscher Psychiater, Psychologe und Hochschullehrer
  • seit 1998: ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm
  • 2004: Eröffnung des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL)–> Schwerpunkt: Neurodidaktik (Hirnforschung)
  • studierte gleichzeitig Medizin, Psychologie & Philosophie, 1989 auch Habilitation (Lehrbefähigung in einem wissenschaftlichen Fach) für Psychatrie
  • arbeitete als Oberarzt, Gastprofessor an der „Harvard University“, Chefredakteur der „Zeitschrift für interdisziplinäre Fortbildung Nervenheilkunde“
  • bekannt wurde Spitzer durch Vorträge & Bücher, DVD „Geist und Gehirn“
  • seine Arbeiten und Bücher wurden in zahlreiche Sprache übersetzt (Englisch, Japanisch, Spanisch, Polnisch und Portugiesisch)

Spitzers Kernaussage:

  • das Gehirn lernt immer –> Kinder lernen immer, nur nicht unbedingt das Geforderte (Unterrichtsstoff)
  • heutiges Problem: es wird nicht auf die Schüler eingegangen, sondern fest nach Plan gearbeitet –> kein nachhaltiger Unterricht möglich, Mangel an Lust am Lernen

Bedingungen erfolgreichen Lernens:

  • Angst darf keine Rolle spielen –> Informationen werden bei angsterfüllten Assoziationen gespeichert, d.h. Lernen unter einer negativen Emotion führt zur Speicherung des Inhalts in einem Bereich, der für negative Emotionen zuständig ist –> Lernen im Mandelkern (Hirnregion), der für Furcht & Angst zuständig ist, führt beim Abrufen des Inhalts zu körperlichen Reaktionen (hoher Puls, Muskelanspannungen etc.)
  • gute Lernatmosphäre ist sehr wichtig, Bedingung für alle anderen Möglichkeiten; Angst verhindert Kreativität
  • Lernprozesse müssen selbstständig stattfinden, nur das führt zu guten Ergebnissen, Neugierde muss ausgelebt werden
  • Schüler-Lehrer-Beziehung: harmonisches, respektvolles Verhältnis

–> besonders in Deutschland herrscht oft eine misanthropische Grundstimmung Schwierigkeiten für Lehrer: manche Schüler sind anderen voraus, Lehrer sollte individuell auf Schüler eingehen, ist bei den heutige Klassengrößen nicht möglich (ab 25 Schüler nimmt der Schulerfolg ab)

  • Forschungen ergaben, dass Nachmittags besser gelernt wird als Vormittags

–> Schüler „verschlafen“ den morgigen Unterricht, gelangen Nachmittags jedoch auf Spitzenleistungen

  • schlechte Schulleistungen = Gesellschaftsproblem (Eltern arbeiten, während Kinder alleine zu Hause sind –> keine „lehrreiche“ Freizeitbeschäftigung
  • Lehrer haben vormittags also oft keine Chance –> „Burnout”
  • Schulprogamm auf ganzen Tag ausdehnen hat auch keinen Sinn

Wie man am besten lernt:

  • unser Gehirn ist zum Lernen gemacht, besonders Kinder-Hirne sind sehr lernfähig
  • es ist auf den Verallgemeinerungsprozess geeicht –> Details/Kleinkram schwer zu erlernen:

Bsp.: Mathe: Formeln vergisst man, Verlauf eines Graphen kann man deuten –> wichtig bzw. häufig im Alltag auftretend

  • Explizites & implizites Wissen:explizit = Wissen & implizit = Können
  • Können ist wichtiger als Wissen –> Wissen kann man nachschlagen
  • Üben ist wichtig –> bleibt nur in der Hirnstruktur bleibt hängen, wenn der Schüler lernen will, andernfalls rauscht es an ihm vorbei
  • Hirnstruktur gibt Infos erst nach Jahren an die Hirnrinde weiter, meistens nachts –> Schlaf ist wichtig
  • Klassenarbeiten müssen über alles, außer dem in den letzten sechs Wochen behandelten Stoff gehen –> Schüler würden immer mal wieder das Wichtigste lernen
  • Lehrer darf nur das vermitteln, was Schüler bis an ihr Lebensende behalten sollen
           –>  Spitzer ist der Überzeugung, dass diese Veränderung die Effizienz unserer Schulen um 
                 50% steigert
          –>  komplette Veränderung: neue Lernatmosphäre, gehirngerechtes Lernen