Über den Erfurter Liedermacher Clueso - ein Porträt im STERN
Songtext: Clueso - Chicago
Sie ist immer da wo was los ist
Immer mitten in der Stadt
Dort wo die kleine Welt ganz groß ist
Sieht sie sich an den Lichtern satt
Sie erzählt dann und wann von dem und dem
Sie hat jeden schon gehabt
Auch wenn sie sich selbst nicht ganz so pflegt
Pflegt sie zumindest den Kontakt
Und sie träumt von Chicago, von Chicago
Irgendwo wo sie keiner kennt
Und sie träumt von Chicago, von Chicago
Dort wo niemand, niemand ihren Namen nennt
Mit ihrem sonnigen Traum vor Augen
Läuft sie durch den Regen
Und jedem den sie auf der Straße trifft
Erzählt sie, sie wär da gewesen
Beschreibt in welcher Ecke sie schon war
Denn sie kennt immerhin dies und das
Und wenn du bisschen was dabei hast
Nimmt sie dich mit für eine Nacht
Sie nimmt dich mit nach Chicago, nach Chicago
Irgendwohin wo dich keiner kennt
Sie nimmt dich mit nach Chicago, nach Chicago
Dort wo niemand, niemand deinen Namen nennt
Doch wenn man ihr erzählt
Welchen Traum sie lebt
Dann spielt sie gleich verrückt
Denn auch wenn sie kurz schläft
Sobald das Licht angeht
Dann muss sie schnell zurück
Manchmal trifft sie sich mit ein paar Leuten
An einem unbestimmten Platz
Und wenn dort frisches Zeug durch die Adern fließt
Gibt man den Löffel an die Kumpels ab
Und diesmal ist sie nicht gekommen
Vielleicht hat sie’s nicht gepackt
Nur eine kleine Nachricht ist alles was sie hinterlassen hat
Ich komm nie mehr, ich bin in Chicago, in Chicago
Irgendwo wo mich keiner kennt
Ich komm nie mehr, ich bin in Chicago, in Chicago
Dort wo niemand, niemand meinen Namen nennt
Oh, oh Chicago, wo mich keiner kennt
ich komm nie mehr
In Chicago, ich komm nie mehr...
Single-Cover von Chicago:
http://www.fourmusic.com/fourmusic/artists/clueso/images/chicago_bg.jpg
Songtextanalyse
In dem Song "Chicago" von der deutschen Band "Clueso", geht es um ein drogenabhängigen Mädchens, in der Fernweh und Lethargie, Aufbruchsstimmung und Depression stecken. Das junge Mädchen träumt sich über die Drogen nach Chicago um dort einen Neuanfang zu starten, da sie dort keiner kennt. Die Single ist auf dem Album "Weit weg" zu finden und wurde im Jahr 2006 veröffentlicht.
Clueso macht seit 1995 Musik und und die Musik und die Texte der Band stammen von Thomas Hübner, der 1980 in Erfurt geboren ist.
Die Single "Chicago" wurde vor dem Album am 21.04.2006 veröffentlicht und war einer der größten Erfolge der Band, in dem Thomas Hübner, a la Clueso, seine Eindrücke von seiner ausgedehnten Reise mit herein bringt.
2005 tritt er bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" an.
Wir verstehen den Songtext als eine Art Flucht vor dem Alltag.
Das junge drogenabhängige Mädchen möchte ihre Träume verwirklichen, aber sie schafft es nicht, vor ihrem Alltag zu fliehen und taucht dann durch Drogen in ihre Traumwelt Chicago ein, in der sie all das finden kann, was sie in ihrem Alltag nicht hat. Im Songtext wird oft wiederholt, dass sie von einer Stadt (Chicago) träumt, in der niemand ihren Namen und ihre Person kennt (siehe Refrain).
In der ersten Strophe ist das Mädchen in der Stadt, sie ist immer überall dabei,
kennt jeden, doch sie kümmert sich allerdings immer mehr um ihre Kontakte als dass sie sich um sich selbst kümmert.
Im immer wiederkehrenden Refrain träumt sie von Chicago, dort wo sie niemand kennt.
In der zweiten Strophe wird ihr Alltag beschrieben, sie erzählt jedem, den sie trifft, sie wäre schon mal in Chicago gewesen und sie nimmt sie mit hin,
wenn die anderen sind bisschen Geld dabei haben.
Die kürzeste, dritte Strophe erfährt man,
dass Chicago eigentlich nur ein Traum von ihr ist, denn jedes Mal,
wenn sie aufwacht, muss sie wieder zurück.
In der letzten Strophe wird von ihren Treffen mit ihren Freunden berichtet,
sie treffen sich an unbestimmten Orten, um Drogen zu nehmen,
doch einmal erscheint sie nicht, da sie endlich in "Chicago".
Das Lied ist in acht Strophen aufgebaut. Von diesen acht Strophen sind die
erste, zweite und vierte Strophe achtzeilig und somit die längsten Strophen in dem
lyrischen Text. Der Refrain kommt insgesamt vier Mal vor.
Die dritte Strophe des Songtextes hat nur sechs Zeilen.
In der ersten Strophe in Zeile zweiten und vierten und in Zeile sechsten und achten, sind Unreime vorhanden.
Außerdem haben die Zeilen siebten und achten eine gleichen Syntax.
Der jeweils erste und dritte Vers des Refrains enden auf Chicago, und die zweite
und vierte Strophe reimen sich.
In der zweiten Strophe befindet sich nur ein Unreim in der zweiten und vierten Zeile.
In der dritten Strophen lässt die Aussprache des Sängers darauf schließen, dass sich in der jeweils ersten und zweiten, so wie sich in der vierten und fünften Strophen Unreime befinden,
doch wenn man sich den Text anguckt, sieht man, dass es nur an der Betonung liegt.
Allerdings befinden sich in der ersten und dritten Zeile Unreime. (verrückt uns zurück)
In jedem Refrain sind Wortgruppen Wiederholungen zu finden. Zum Beispiel in der zweiten Strophe: "Und sie träumt von Chicago, von Chicago." Die Wortgruppe "von Chicago" wird zweimal wiederholt.
In dem Text sind Metrum und Rhythmus aufeinander abgestimmt,
da dies bei einem Lied nur möglich ist.
In dem Text sind Metrum und Rhythmus aufeinander abgestimmt, wie es bei jedem Lied der Fall ist. Der Songtext ist eine Art Erzählung über ein drogenabhängiges Mädchen, sodass am Ende des lyrischen Textes ein Refrain steht, der als Abschluss wirkt, da dort gesagt wird, dass die nie mehr kommt.
Die Geschichte wird von einem lyrischen Ich erzählt, sodass dem Leser oder Hörer eine Geschichte erzählt wird und sich der Leser oder Hörer um dieses Mädchen anfängt, Gedanken zu machen, weil man in den Strophen und Refrains angesprochen wird. Diese direkte Ansprache durch das "du" müsste deutlicher hervorgehoben werden - auch schon in der sprachlich-formalen Analyse.
In den Strophen fällt auf, dass der Verfasser die Alltagssprache benutzt und nur wenig rhetorische Mittel verwendet, um den Songtext noch "extremer" wirken zu lassen, da dieser durch seine Melancholie bei dem Hörer schon von alleine die Aufmerksamkeit auf sich nimmt.
An manchen Stellen sind jedoch Metaphern ähnliche Mittel zu erkennen. In dem neunzehnten Vers steht: "Und wenn du bisschen was dabei hast [...]". Zum einem werden hier Wortgruppen ausgelassen, um den Text dem Rhythmus anzupassen, aber zum anderen spricht "dabei" für einen Gegenstand. Man soll sich selbst interpretieren, was Clueso mit dieser Metapher meint. In unserm Fall sind wir von Heroin oder anderen Drogen ausgegangen.
In der letzten Strophe, also dem Refrain, steht das Ende der Geschichte. Der Refrain wurde abgeändert, indem Clueso beschreibt, dass sie nie mehr kommt (siehe Zeile 44). In den anderen Refrains wird immer nur gesagt, dass sie nach Chicago möchte, weil dort niemand ihren Namen kennt.
Wir verstehen dieses Lied als eine Art Warnung vor dem Drogenkonsum und als eine Aufforderung, die Liedtexte mit eigenem Verstand zu interpretieren, da es nicht nur eine Auffassung von diesem Lied gibt, sondern jeder Mensch seine eigene Auffassung von diesem Lied besitzt. Clueso berichtete in einem Interview: "Ja, das ist wie ein Film. Ich zeige nur das Bild Chicago, dass sie da ist, und jeder kann sich das selber rausziehen. Ich habe natürlich schon daran gedacht, dass man von einer Droge nicht so leicht wegkommt, deswegen schwingt das auch ein bisschen mit. Aber man kann das auch anders sehen, da hast du recht. Es macht einfach mehr Spaß, wenn du es nicht so genau vorgibst."
In der ersten Strophe geht es um ein Mädchen, das sich immer da aufhält, wo sie Leute trifft, wo etwas los ist. Sie berichtet von jedem, den sie denkt zu kennen und setzt so auch Gerüchte in die Welt. Dabei ist sie diejenige, die mit vielen Männern geschlafen hat. Daraus lässt sich schließen, dass sie sich selbst nicht pflegt, doch den Kontakt zu den Menschen pflegt sie, weil sie nicht alleine sein möchte.
Im Refrain träumt sie von Chicago, während sie auf Drogen ist. Denn immer. wenn sie unter Drogen steht, träumt sie von dieser Stadt, wo sie niemand kennt.
In der nächsten Strophe wird klar, dass sie drogenabhängig ist, denn während sie immer noch an Chicago denkt während ihres Rausches, läuft sie durch den Regen. Nach ihrem Rausch erzählt sie jedem, den sie auf der Straße trifft, dass sie in Chicago war. Und wenn man ihr Geld anbietet, weil man mit nach Chicago möchte, verkauft sie dir Rauschmittel.
In der fünften Strophe wird klar, dass sie abhängig ist. Wenn man ihr sagt, dass sie es nicht schafft. nach Chicago zu kommen, will sie es nicht glauben und wird ganz verrückt. Denn sie merkt nicht, dass sie nach jedem Chicago-Ausflug, nach jedem Rausch wieder in ihre alte Welt zurückgekehrt ist. Aus diesem Grund nimmt sie die Drogen immer wieder, bis sie für immer in Chicago bleibt.
In der sechsten Strophe ist dieser Zeitpunkt eingetreten, "wenn dort frisches Zeug durch die Adern fließt" ist sie wieder in Chicago, doch dieses Mal bleibt sie in Chicago, weil sie durch eine Überdosis den Weg in ihr altes Leben nicht geschafft hat.
In den darauf folgenden Strophen wird noch einmal deutlich gemacht, dass sie nie mehr zurück kommt, weil sie in ihrem Rausch gestorben ist, jedoch hat sie ein Ziel erreicht: Sie ist für immer in Chicago und kommt nie wieder zurück.
Alles in allem haben wir uns den Songtext von Clueso für unser Lyrikprojekt ausgesucht, weil er von jedem auf eine andere Art und Weise verstanden werden kann. Jeder kann seine persönlichen Ereignisse und Gedanken in diesen Song hineininterpretieren.
Außerdem beschreibt Clueso ein aktuelles Thema. Den Drogenkonsum von Minderjährigen. Clueso versetzt jeden seiner Texte in eine Art Melancholie und dies unterstützt die Intensivität des Textes. Zauberhafte Popmelodien, oft getragen von akustischen Gitarren, schweben durch den Raum und versetzen den Hörer zusätzlich in die Situation des Songtextes.
Das Lied Chicago fordert quasi zum Mit- und Nachdenken auf. Der Gesang ist genial und durch die Akustikgitarren kommt förmlich ein 'Chicago-Feeling' auf.
Insgesamt kann man sagen, dass durch diese Analyse noch viel mehr Tiefe in dieses Lied für uns gelegt wurde. Vorher hat man das Lied gehört: Jeah cooler Beat, geile Stimme. Doch jetzt können wir sagen: was für ein sensationeller, tiefgründiger, melancholischer Song, der musikalisch und auch lyrisch sehr gut gelungen ist. Um noch einmal Clueso zu zitieren: "Ja, das ist wie ein Film. Ich zeige nur das Bild Chicago, dass sie da ist, und jeder kann sich das selber rausziehen. Ich habe natürlich schon daran gedacht, dass man von einer Droge nicht so leicht wegkommt, deswegen schwingt das auch ein bisschen mit. Aber man kann das auch anders sehen, da hast du recht. es macht einfach mehr Spaß, wenn du es nicht so genau vorgibst"
Viele zutreffende Analyseelemente und Wirkungsmöglichkeiten. Noch deutlicher allerdings könnte der Zusammenhang zwischen formal-sprachlichen und metrischen Elementen mit dem Inhalt herausgearbeitet werden - unter der Frage: Durch welche Mittel wird die inhaltliche Aussage verstärkt oder entsteht dadurch in Kombination mit musikalischen Stilmitteln ein zusätzlicher, vielleicht neuer Eindruck?
Abschnitt 2 und drei müssten also stärker miteinander verknüpft und durch weitere rhetorische Mittel ergänzt werden.