Gruppe 1: Texte und Analysen
Analyse – Dieser Weg; Xavier Naidoo
Das Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo wurde 2005 in Deutschland veröffentlicht und wurde von Philippe Van Eecke produziert. Es ist ein Lied, das beim ersten Hören zum Nachdenken anregt und einen direkt anspricht. Es handelt um das eigene Leben, welches Höhen und Tiefen hat.
Das Lied handelt von dem Weg des Lebens. Es wird beschrieben, dass „dieser Weg“, wie im wirklichen Leben, nicht immer leicht, sondern „steinig und schwer“ ist.
Am Anfang des Liedes wird eine Vermutung „Dieser Weg wird steinig und schwer“ aufgestellt. In der Mitte des Liedes wird gesungen „Manche lieben dich, manche treten dich“, das ist dann die Erkenntnis wie das Leben von statten läuft. Gegen Ende des Textes dann die Feststellung: „Der Weg ist steinig und schwer“.
Dieses Lied ist durchgehend in einer sehr verständlichen Sprache geschrieben und weist somit keine altmodischen oder unverständlichen Wörter auf.
Teilweise sind aber durch Komma getrennte, kurze Satzelemente vorhanden.
Grundsätzlich ist das Lied in drei Strophen aufgeteilt, welche jedoch keine regelmäßige Anzahl von Versen aufweisen.
Im Refrain befindet sich ein Paarreim aabb: „schwer – mehr“, sowie in der zweiten Strophe: „da – klar“ (V. 6-7)
Es ist im gesamten Liedtext kein Zeilensprung (Enjambement) vorhanden und es befindet sich in jeder Zeile ein vollständiger Satz.
„Dieser Weg“ handelt von dem Lebensweg des lyrischen Ichs. Dies ist in diesem Fall der Sänger Xavier Naidoo selbst. Um zu verdeutlichen, dass das Leben auch nach schweren Situationen weiter geht, verwendet der Sänger ein Beispiel aus seinem eigenem Leben: „Es war nur ein kleiner Augenblick, einen Moment war ich nicht da. Danach ging ich einen kleinen Schritt und dann wurde es mir klar“ (V. 6-7). Somit drückt er aus, dass er nachsichtig mit seinem Leben umgeht, dann jedoch daraus lernt.
Dabei lässt der Text viel Spielraum um sich selbst in die Rolle des lyrischen Ichs zu versetzen, da es sich in dem Text um die beschriebenen Höhen und Tiefen des eigenen Lebens handelt.
Es sind viele Wiederholungen in dem Text vorhanden, dadurch werden die Textstellen besonders hervorgehoben (Anapher: „Manche“ -> V. 10-13)
Die Wirkungsabsicht des Textes bezieht sich auf jeden Menschen, es heißt, dass man nicht in schweren Lebenssituationen aufgeben soll, sondern dass man auch diese meistern und immer weiter kommen kann.
Somit haben sich unsere Ersteindrücke bestätigt.
Kommentar und Hinweise zu einer Bewertung
Wie bereits in der Unterrichtsstunde kontrovers diskutiert, ist diese Analyse unzureichend. Mit anderen deutlichen Worten: In Vers 2 wird eindeutig eine Beziehung zwischen einem lyrischen Ich und einer anderen Person beschrieben, mit der das lyrische Ich in Beziehung stand.
"Das Lied, das du am letzten Abend sangst, spielte nun in mir."
Die Idee, dass es sich nur um eine Person handele, die in eine Art Selbstgespräch eintritt, ist falsch!
Grundsätzlich wichtig ist bei einer Lied-/Gedichtanalyse, dass ein Sprecher nicht mit der tatsächlichen Sänger-/Verfasserfigur gleichgesetzt wird, damit nicht aus Kenntnisse über eine konkrete Person voreilige Vermutungen in den Text hineininterpretiert werden.
Noch eine grundsätzliche Bemerkung: Die sprachlichen und formalen Merkmale müssen zunächst einmal erkannt werden, aber die entscheidende Frage ist dann: Welchen Beitrag leisten sie zur Verstärkung oder Unterstützung der Textaussage. Manchmal können die sprachlichen oder formalen Elemente sogar einen neuen inhaltlichen Aspekt hervorrufen (vgl. Hinweise auf Lyrik-Startseite).
Einige Analyseaspekte:
Thema/Hauptaussage:
Das lyrische Ich appelliert an ehemaligen Partner/-in, getrennte Wege zu gehen, auch wenn dies schwer sei, aber ein solches Leben biete mehr.
Inhaltliche Aussagen:
1. Strophe: Lyrische Ich mit Erinnerungen an letzten gemeinsamen Abend auf dem Weg zu sich selbst in fiktiver Anrede ("du") des Partners
2. Strophe: Beschreibung der zukünftigen Schwierigkeiten dieses Weges mit der Versicherung, dass er viel mehr biete (= offensichtlich im Vergleich zu dem bisherigen Weg). Prophezeiung von Außenseiter-Sein.
3. Strophe:Rückblick auf einen Moment der Trennung, der zu der angesprochenen Erkenntnis geführt hat.
4. Strophe:Wiederholung Strophe 2 = Refrain
5. Strophe: Beschreibung gegensätzlicher Verhaltensweisen anderer Menschen (Gegenwart) mit der metaphorischen Aufforderung, sich nicht - wie es naheliegend wäre - forttragen zu lassen. Prophezeiung, dass andere extreme Zuneigung und Verehrung äußern werden.
6. Strophe:: Refrain - wie 2 u. 4
7. Strophe: Refrain
8. Strophe: Refrain
9. Strophe: Zwei Worte: "Dieser Weg."
Sprachliche und formale Mittel: (Auswahl)
| Merkmale | Absichten |
| * 5 der 9 Strophen bestehen aus der Wiederholung/Refrain | Besondere Betonung, möglicherweise Notwendigkeit der beschwörenden Zusage, dass der schwierige Weg mehr als der bisherige biete. Einmal reicht offensichtlich nicht, Überzeugung beim Gegenüber ist wohl nicht auf Anhieb da. |
| Wechsel der Zeitstufen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft | Erinnerung, eingetretene Situation, Zukunftsversprechen = lange andauernde Entwicklung |
| Abschließende Alleinstellung von "Dieser Weg" | = Schlusspunkt: Keine Änderung, es gibt nur diesen Weg und das bleibt auch so. |
| Direkte Partneransprache "du", der nicht vorkommt | Innerer Dialog (vgl auch Vers 2 in Str. 1) |
| Viele Reime, z.T. Wortwiederholungen | Verstärken den Appell-Charakter und die fest geschlossenen Aussagen, Keine Infragestellung oder Widerspruch möglich |
| Wiederholungen und Parallelismen in Str. 5 | = Zusatzbetonungen |
| Str. 5: Gegensatz Abneigung/Aggression anderer vs. extreme Zuneigung | Auf alles vorbereiten |
| Str. 5, Vers 2 und 4: Metapher "Setz dein Segel nicht ..." | Aufforderung/Appell, nicht darauf zu reagieren und dieser Zuneigung zu folgen |
| Zentralmetapher "steinig" | Betonung der Schwere des Weges |
Wirkungsabsichten:
- Beschreibung einer Trennungssituation
- Stärkung des Partners durch Hinweis auf zukünftige Schwierigkeiten, verbunden mit dem (tröstenden) Positiv-Versprechen des besseren Lebens = Versuch der Selbstrechtfertigung
- Aufforderung/Appell, nicht auf extreme Formen der Zuneigung anderer einzugehen
- Möglicherweise nicht nur Appell an Partner, sondern auch Selbstsuggestion
Wirkungsmöglichkeiten:
- Zugang für viele über die Musik, möglicherweise auch Dominanz der Musik
- Appellativer Charakter des Textes in Verbindung mit Musik verhindert tendenziell die Möglichkeit zur Infragestellung der Aussagen und/oder die Distanzierung
- Verbindung zum Publikum kann auch hergestellt werden durch die Wahrscheinlichkeit, dass viele Menschen Trennungssituationen kennen oder befürchten. Ein solcher Text könnte dann Trost spenden.
BEARBEITUNG:
Analyse: Dieser Weg; Xavier Naidoo
Das Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo wurde 2005 in Deutschland veröffentlicht und wurde von Philippe Van Eecke produziert. Es ist ein Lied, das beim ersten Hören zum Nachdenken anregt und einen direkt anspricht. Es handelt von einer Beziehung zwischen zwei Personen, die keine Chance für ihre Beziehung sehen und sich somit trennen. Dabei appelliert das lyrische Ich an seinen Partner, dass es zwar „steinig und schwer“ werden wird, es so jedoch besser ist.
In der ersten Strophe erinnert sich das lyrische Ich auf dem Weg nach Hause an den letzten gemeinsamen Abend mit seiner/seinem Partner/in. Dies wird mit der fiktiven Du- Anrede ausgedrückt.
Bei der zweiten Strophe handelt es sich um den Refrain, der die zentralen Aussagen des Liedes wieder gibt. In diesem wird das Leben ohne den jeweiligen Partner beschrieben. „[…] Doch dieses Leben bietet so viel mehr.“ (V. 5/9/15/17/19) Somit wird ausgedrückt, dass die Trennung im Endeffekt doch zum Besseren führen wird. Durch die, für den Refrain typische Wiederholung, wird dieser Aussage eine besondere Bedeutung bei gemessen.
Die dritte Strophe enthält die Erinnerung des lyrischen Ichs an einen speziellen Moment der Trennung, in dem er/sie zu der Erkenntnis kam, dass diese Beziehung keine Zukunft mehr hat und sie somit beendet werden muss.
Bei der vierten Strophe handelt es sich um den Wortlaut der zweiten Strophe. Somit stellt diese Strophe erneut den Refrain dar.
In Strophe fünf beschreibt das lyrische Ich die gegensätzlichen Verhaltensweisen von unterschiedlichen Menschen, wobei er/sie ebenfalls an dem lyrischen Du appelliert. Dabei handelt es sich einerseits um Verehrung und Zuneigung von einigen Menschen dem lyrischen Du gegenüber, andererseits kann es von anderen auch verletzt werden („Manche treten dich […] V. 10/12). Weiter wird die Strophe mit der Aufforderung an das lyrische Du „Setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust“ (V. 11) fortgesetzt. Hierbei verwendet das lyrische Ich eine Metapher die verdeutlicht, dass das lyrische Du auch in schweren Situationen stark sein und nicht aufgeben soll. Um diese zwei Aspekte der Strophe besonders hervorzuheben, da diese dem lyrischen Ich besonders wichtig erscheinen, werden diese wiederholt. Außerdem befindet sich an jedem Versanfang dieser Strophe eine Anapher „Manche“ (V.10-13). Auch diese soll die unterschiedlichen Charaktere verdeutlichen, welche einem in Laufe der Zeit begegnen und mit welchen man umzugehen hat.
Bei der sechsten und siebten Strophe handelt es sich wieder um den immer wiederkehrenden Refrain, welcher die schwere Zeit nach der Trennung beschreibt. Zur Verdeutlichung der emotionalen Kälte und der Schwere wird die zentrale Metapher „steinig“(V. 4/8/14/16/18) verwendet.
Die achte Strophe enthält zwar auch den Refrain, doch dieses Mal ist dieser etwas abgeändert. Anstatt „Dieser Weg wird kein leichter sein“ (V.4/8/14/16) wird nach „Dieser Weg . . .“ (V. 18) eine Pause eingelegt. Durch die kurze Unterbrechung des Textes wird die andauernde Zeitspanne des Trennungsschmerzes betont. Dieser Vers wird dann schließlich mit „Dieser Weg ist steinig und schwer“ (V. 18) fortgesetzt. Der Rest des Refrains wird beibehalten. Mit dieser Veränderung wird eine lang andauernde Entwicklung beschrieben, die auch gegen Ende des Liedes nicht beendet ist.
Die neunte sowie die zehnte Strophe bestehen aus jeweils zwei Wörtern „Dieser Weg“ (V. 20/21). Diese Zentralaussage verweißt sowohl auf den Titel des Liedes, als auch auf den Refrain, der mit genau diesen Wörtern beginnt. Dadurch, dass diese Wörter allein und am Ende des Liedtextes stehen, sagen sie aus, dass der Weg, der als Metapher für die Verarbeitung des Trennungsschmerzes steht, noch nicht vorüber ist. Es gibt nur diesen einen Weg und das bleibt auch so.
Auffällig ist, dass das Lied keine typische Ballade im musikalischen Sinne ist. Obwohl die sanfte Stimme und der langsame Gesang von Xavier Naidoo die Thematik des Liedes unterstreichen, spiegelt die Musik das Appell an das lyrische Du wieder. Durch Verwendung von Bassgitarre und Schlagzeug wirkt das Lied eher rhythmisch, beinahe fröhlich. Die Melodie scheint eine Besserung der Situation zu suggerieren, dabei äußert sich der Text eher gegenteilig.
Beim Verfassen des Textes verfolgte Xavier Naidoo die Absicht eine Trennungssituation anschaulich dar zu stellen. Durch den Appell an das lyrische Du wird es auf eventuelle Schwierigkeiten vorbereitet und erhält so Trost. Durch die tröstenden Worte des lyrischen Ichs ist eine leichte Selbstsuggestion zu erkennen. Die Absicht dem Partner Trost zu spenden, weißt darauf hin sich die eigene Trauer nicht einzugestehen.
Gemäß dem Motto >>Ein Lied sagt mehr als tausend Worte<< fühlen sich viele Menschen von Musik angesprochen. Durch diese Tatsache macht Xavier Naidoo seine Aussagen einem großen Publikum zugänglich. Diese fühlen sich besonders durch das alltägliche Thema angesprochen und können sich mit dem lyrischen Ich und dem lyrischen Du identifizieren.