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Literatur / Brief Zur Kurzgeschichte San Salvador Von Peter Bichsel

San Salvador


Aufgabenstellung:

  1. Analysiert den Ausgangstext und arbeitet die besonderen Merkmale heraus (z.B. Personen-Charakterisierung oder -konstellation, Sprache).
  2. Setzt diese Merkmale planvoll in dem eigenen Text ein.
  3. Beschreibt diese Merkmale und erläutert eure Aussage- und Wirkungsabsichten.

Lisa Kurz

Mir ist es hier zu kalt

Ma Chérie,

ich hege schon lange einen Traum. Doch ich habe nie jemandem davon erzählt. Er existiert nur in meinem Herzen. Lange habe ich überlegt, ihn dir zu offenbaren und ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um es dir zu sagen.

Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika.

Ja, du hast richtig gelesen. Zuerst war es nur ein wirrer Gedanke. Aber er ist geblieben und hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Und ich habe mich auch schon über Südamerika informiert. Immer wenn ich sonntags nicht da war, war ich nicht beim Sport, wie ich es dir gesagt habe. Ich habe dich angelogen. Denn ich war in der Bücherei. Habe gierig alles gelesen, was ich nur irgendwie finden konnte. In der Sporttasche waren Bücher und keine Sportsachen. Nun weiß ich noch eher, dass ich unbedingt dieses traurige, triste und graue Land verlassen möchte. Hier ist alles so verklemmt und es fehlt die Lebensfreude, das Feuer im Blut, die Palmen, das Meer, der Strand und die Sonne.

Bestimmt durchwühlst du jetzt meine Sachen, kontrollierst, was noch da ist und was nicht, rufst im Löwen an. Aber der hat heute geschlossen. Und mit allem, was du tust, wird dir stetig mehr bewusst, dass ich wirklich gegangen bin. Es gibt kein Zurück mehr. Nicht für mich und auch nicht für uns.

Schon lange hast du mich nicht mehr gefragt, wie es mir geht. Wenn du abends heim kommst, fragst du nur nach den Kindern. Aber was ist mit mir? Ich halte das nicht mehr aus - muss hier raus.

Wir sollten es als Chance sehen, um unsere Beziehung zu retten. Ich hoffe, dass ihr irgendwann nachkommt, wenn wir unsere Differenzen geklärt haben. Dass wir dort ein neues Leben leben können. Vielleicht auch ein besseres- ein erfüllteres.

Ich würde es mir so sehr wünschen. Bis dahin muss ich mich leider von dir und den Kindern verabschieden. Mir tut es weh, wenn ich nur daran denke, aber ich weiß, dass wir uns wieder sehen werden.

Gib den Kindern von mir einen dicken Kuss und vergesst mich nicht!

In ewiger Liebe. Mille bises,

Paul


1.In der Kurzgeschichte „San Salvador“, die 1964 von Peter Bichsel geschrieben wurde, geht es um Paul, der nach Südamerika auswandern möchte und deswegen an seine Familie einen Brief schreibt und dabei über die Reaktionen auf diesen nachdenkt.

Erzähler:

Erzählform: Er

Erzählverhalten: auktorial

Standort: aus der Nähe

Sichtweise: Außensicht

Erzählhaltung: neutral/ schwankend

Figuren:

Charakterisierung: indirekt

Ausführungsgrad: eindimensional

Darbietungsformen:

Über den Erzähler: Erzählbericht

Figurenrede: direkt

Bewusstseinsstrom: erlebte Rede (Er-Form)

Zeit/ Handlung:

Chronologie: einsträngige Handlung (linear)

Verhältnis zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit: zeitdeckend/Vorausdeutung

Handlungsebene: innere Handlung (für andere Figuren nicht Wahrnehmbares)

Charakterisierung von Paul:

Durch Pauls Brief fällt auf, dass er ziemlich oberflächlich scheint, da er als Grund nur das Wetter angibt, um das Land zu verlassen. Er ist ein Perfektionist, da er sauber mit Füller schreibt. Er achtet auf viele Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Musik des Radios oder die Zeitung. Er beherrscht die französische und englische Sprache, da er die Gebrauchsanweisung in diesen liest, genauso wie die deutsche. Seine Frau kennt Paul sehr gut, weil er schon vorausblickend sagen kann, wie sie reagieren wird.

2. s.o.

3. Durch seine Oberflächlichkeit habe ich versucht, nur Gründe zu nennen wie den Strand oder das Meer. Für mich rechtfertigt es dadurch noch nicht, direkt nach Südamerika auszuwandern.

Paul kennt Hildegard sehr genau. Um dies noch mal zu unterstreichen, kann er voraussehen, was sie machen wird und schreibt ihr, dass sie das nicht weiterbringen wird.

Durch seinen Perfektionismus, wählte ich eine ziemlich neutrale Sprache, habe dabei aber trotzdem versucht, die Zuneigung zu seiner Frau zu zeigen. Er schaut immer wieder nervös auf seine Uhr und wartet auf Hildegard.

Durch den letzten Satz, lässt sie anklingen, dass vielleicht etwas in ihrer Beziehung nicht richtig läuft. Daher bin ich in meinem Brief näher darauf eingegangen. Er kann französisch und englisch, daher habe ich das Ende und den Anfang auf Französisch geschrieben, um dies noch mal hervorzubringen.

Lisa, in deinem sehr guten Text kommt meiner Meinung nach der Aspekt der Langeweile mit sinnlosen Handlungen während des Alleinseins zu kurz. Wahrscheinlich liegt darin auch die Erklärung für die Beziehungsprobleme des Ehepaares. Dieser Gedanke könnte auch in dem Brief auftauchen.

Die analysierten Gesichtspunkte werden ansonsten jedoch gut begründet in deinem Brief aufgenommen. Der Charakter des Mannes wird dadurch gut verdeutlicht.

RE


Anna-Lena Drewes

Mir ist es hier zu kalt

Liebste Hildegard,

Es tut mir leid! Es tut mir leid, dir jetzt wehtun zu müssen. Du fragst dich sicher warum ich diesen, im ersten Moment, seltsam erscheinenden Brief an dich schreibe, doch glaub mir, das Ende dieses Briefes wird ganz und gar nicht seltsam für dich sein. Das Einzig bizarre an diesem Brief ist, dass es ein Abschiedsbrief sein soll.

Genau in diesem Moment, wenn du diese Stelle liest, weiß ich, dass du dir die Haare aus deinem Gesicht streichen wirst, da du es nicht glauben kannst. Ich kenne und liebe jedes Detail und jede Eigenschaft von dir. Ich gehe nicht weg, weil ich dich nicht mehr liebe. Nein! Ich gehe auch nicht weg, weil mir das alles hier zu viel wird. Ich gehe, weil es mir schlicht und ergreifend einfach zu kalt hier ist. Ich gehe nach Südamerika.

Du fragst dich sicher warum.

Warum bin ich so ein Arschloch und lasse dich mit den Kindern hier in Deutschland allein?! Warum tue ich so was?! Das kann ich doch nicht ohne jegliche Andeutung tun. Oder doch?

Ich kann dir nur diesen einen Grund nennen, weswegen ich hier weg will. Mir ist es hier zu kalt. Nenn mich verrückt. Dazu hast du jedes Recht, aber bitte hasse mich hierfür nicht. Denn ich liebe dich noch immer.

Es soll kein Abschied für ewig sein, gewiss nicht. Du und die Kinder kommt einfach nach, wenn ich in Südamerika unser neues gemeinsames und vielleicht erfüllteres Leben aufgebaut hab. Ich bin mir im Klaren darüber, dass es nicht einfach wird doch ich muss hier weg, denn mir ist es hier zu kalt.

Dein dich immer liebender Paul


Aufgaben 1 - 3


Anastasia Dunst

Etwas Absurdes

Ich sitze an meinem Schreibtisch und halte meine neue Füllfeder in der Hand. Während ich ihn ausprobiere, indem ich meine Initialien auf ein Stück Papier kritzle, nehme ich einen neuen Bogen Papier zur Hand, falte dieses sorgfältig zusammen und schreibe "Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika". Darunter schreibe ich noch meinen Namen "Paul". Anschließend falte ich das Papier ebenso wieder auseinander und schreibe:

"Meine liebste Hildegard,

es gibt etwas, was ich dir schon längst hätte sagen sollen. Aber auch jetzt kann ich dir bei diesen Worten nicht in dein bezaubartes Gesicht sehen, da ich ein verdammter Feigling bin. Wenn du nach deiner Kirchenchorprobe nach Hause kommst und diese Nachricht ließt, während du dir deine Haare aus dem Gesicht streichen wirst, werde ich nicht mehr bei dir sein. Ich werde nicht nur dich sondern auch unsere Kinder verlassen.

Du wirst dich wahrscheinlich fragen, warum ich soetwas Absurdes tuhen sollte, aber wenn du genauer darüber nachdenkst kommst du auch von selbst darauf. Wir, wie auch unsere Kinder, werden immer älter und leben uns immer weiter auseinander. Obwohl du die wundervollste Frau bist, die ich jemals kennen gelernt habe, gibt es nichts mehr was uns verbindet. Früher einmal haben wir uns, als auch den Kindern, so viel Liebe und Wärme geschenkt. Jetzt jedoch sind wir kalt und herzlos geworden. Ich verstehe nicht wie es soweit kommen konnte, aber ich weiß, dass ich mit dieser Kälte in meinem Herzen nicht weiterleben kann. Somit habe ich entgültig beschlossen nach Südamerika zu meienem Cousin Helmut auszuwandern.

Wir haben schon alles vor Wochen besprochen und organisiert. Ich brauchte jedoch noch etwas Zeit um meine Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch zu verbessern um mich dort auch verständigen zu können. Jetzt ist es soweit. Vielleicht kann ich dort die Wärme finden, die ich so dringend brauche. Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft.

Hoffentlich findest auch du jemandem, dem du deine Wärme noch einmal schenken kannst.

Küss die Kinder von mir und sag ihnen, dass ich sie immer lieben und niemals vergessen werde!

Es tut mir leid aber mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika"

Paul

Ich falte das Papier wieder zusammen, lege es auf den Tisch, räume die Zeitung vom Tisch, drehe das Radio ab und schließe dir Tür leise hinter mir.


1. In der Kurzgeschichte "San Salvador", die im Jahre 1964 von Peter Bichsel verfasst wurde, handelt es sich um einen Mann namens Paul, der seine Familie verlässt und nach Südamerika auswandert, da es ihm hier zu kalt ist.

Paul ist ein sehr akurater Mann, da er das Blatt sehr sorgfältig faltet und sogar die Zeitung vom Tisch räumt, bevor er geht. Außerdem kennt er seine Frau Hildegard sehr gut, da er jede ihrer Reaktionen im voraus beschreibt. Es scheint, als ob er außerdem noch gute Sprachkentnisse in Englisch und Französisch hat, da er die Gebrauchsanweisung für seine Füllfeder auf Französisch liest und anschließend den deutschen mit dem englischen Text vergleicht.

2. Einsetzten von den o.g. Charakereigenschaften in den Text.

3. Um Paul als akuraten Mann darzustellen habe ich Adjektive wie sorgfällig verwendet. Außerdem habe ich auch noch dazugeschrieben, dass er, bevor er geht, noch sie Zeitung wegräumt und das Radio abstellt. An der Stelle wo Paul erläutert, dass er und sein Cousin diese Auswanderung schon seit einem längeren Zeitraum geplannt haben, soll ebenfalls die Sorfallt verdeutlicht werden.

Um zu verdeutlichen, dass Paul seine Frau Hildegard wirklich gut kennt, habe ich die Reaktion, die sie haben wird wenn sie den Brief ließt, dazugeschrieben. Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht.

Pauls gute Sprachkenntnisse hab ich verdeutlicht, indem ich geschrieben habe, dass er etwas Zeit brauchte um seine Sprachkenntnisse zu verbessern.


Julia Bertram

Ein Neuanfang

Liebe Hildegard,

ich habe dir diesen Brief hinterlassen als vielleicht letzte Erinnerung an mich.

Ich habe es dir und den Kinder nie erzählt, aber dieses ist mein innigster Wunsch. Ich habe lange darüber nachgedacht wie, oder ob ich es dir überhaupt erzählen soll.

Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika.

Bitte fasse dies nicht als Scherz meinerseits auf. Es ist mir sehr ernst. Ich habe meine Sachen gepackt. Das Flugticket habe ich auch bereits seit einigen Tagen im Nachtschrank liegen, aber ich habe es einfach nicht über mich gebracht dir die Wahrheit zu sagen.

Anfangs war die Idee von hier fort zu gehen nur ein Hirngespinst, ein Tagtraum. Aber mit der Zeit wurde ich mir immer sicherer das triste Dasein hinter mir zu lassen. Zuerst hatte ich Zweifel ob die Entscheidung richtig ist, aber mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass ich hier nicht weiter leben kann. Hier ist es zu kalt, fast schon unterkühlt, du bist unterkühlt, ich bin unterkühlt, ich muss mich aufwärmen. Es passt einfach nicht mehr zwischen uns, es ist nichts mehr so wie es früher einmal war. Ich fasste Mut für einen Neuanfang. In den letzten Wochen packte mich richtig der Drang von hier auszuwandern, aus dem tristen Alltag zu fliehen, auszubrechen, neue Menschen kennen zu lernen in einem Land, wo es warm ist.

Erst gestern wieder, ich habe Zeitung gelesen und Radio gehört. Die Musik, wie ich sie so hörte, erinnerte mich an dich. Wie du jeden Mittwoch übst mit deinem Kirchenchor für die Sonntagsmesse. Mir wurde bei diesem Gedanken immer klarer wie wir uns auseinander gelebt haben. Jeden Mittwoch, du kommst nach Hause und fragst ob die Kinder bereits im Bett liegen, anstatt dass du mich fragst wie mein Tag war. Du interessierst dich nicht mehr für mich und ich interessiere mich auch immer weniger für dich. Wahrscheinlich hättest du mich auch heut wieder gefragt, ob die Kinder schalfen. Und, ja, sie schlafen schon.

Ich möchte mit diesem Brief einen Schlussstrich unter mein bisheriges Leben ziehen und ruf nicht deine Freundin Brigitte an, um dich bei ihr auszuweinen, ich hätte dich verlassen. Du weißt selbst, dass das mit uns beiden nicht mehr lange gehalten hätte.

Es tut mir Leid wegen der Kinder, dass ich sie nicht mehr jeden Tag sehen kann, aber es geht einfach nicht anders.

Liebe Grüße Paul


Artur Bednarski

Mein Traum

Meine liebe Hildegard,

mit diesem Brief möchte ich mich von dir und den Kindern verabschieden. Ich denke, dass ich jetzt endlich soweit bin, die richtige Entscheidung zu treffen. Mein Traum wird bald in Erfüllung... „ Mir ist es zu kalt hier, ich gehe nach Südamerika“.

Denke nicht, ich wäre ein Feigling.

Denke nicht, dass ich total verwirrt bin.

Ich weiß, was ich tue.

Es war schon immer mein Traum gewesen. Schon immer habe ich davon geträumt, von hier wegzugehen und einfach meine Ruhe zu haben. Vieles war ungeplant. Vieles kam so plötzlich. Es war nie meine Absicht, hier eine Familie zu gründen, um die dann später im Stich zu lassen. Ich wusste selber nicht, dass es soweit kommen würde, dass ich mich in dich verliebe, dass wir wundervolle Kinder bekommen, dass alles einfach perfekt läuft. Ich weiß, dass ich dir schon früher hätte sagen sollen, was im meinem Kopf vorgeht, aber ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen. Ich war mir manchmal sehr verunsichert, ob es wirklich die richtige Entscheidung wäre, jetzt einfach zu gehen und alles einfach so hinter mir zu lassen. Doch nun ist es soweit. Heute ist der Tag gekommen, an dem ich die Vergangenheit hinter mir lasse. Heute wird mein Traum in Erfüllung gehen, endlich.

Sei nicht enttäuscht. Falls ich es dort nicht schaffen sollte, komme ich wieder. Ich hoffe, dass du mich nicht aus deinem Leben löschen wirst und den Kindern von mir erzählen wirst.

Nun kommt das Ende, an dem ich mich für die schöne Zeit bedanke. Es war eine tolle Zeit mit dir. Ich werde dich nie vergessen.

In Liebe,

dein Paul.


Vanessa Köhring

Heraus aus dem Trott

Meine liebste Hildegard,

es fällt mir sehr schwer, dich hier mit den Kindern zurückzulassen. Aber ich kann so einfach nicht glücklich werden. Wir sind einem Trott verfallen, aus dem wir so einfach nicht mehr rauskommen können.

Ich habe mich ja schon damit abgefunden, dass ich mich, seit die Kinder da sind, nicht mehr benehmen kann wie ein Junggeselle. Aber das ging einfach zu schnell. Ich wollte mich noch ausleben, bevor wir Kinder bekommen. Ich wusste ja auch damals schon, dass du die Frau für mich bist. Doch ich hatte Träume. Träume, die ich jetzt all die Jahre unterdrückt habe. Ich liebe dich und die Kinder, aber so werde ich niemals meine Ruhe finden. Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika.

Ja, es kommt vielleicht überraschend, aber ich werde nach Südamerika auswandern. Du bist jetzt sicherlich enttäuscht, verletzt und vor den Kopf gestoßen, aber wenn ich dir einen Brief schreibe, kann ich wenigstens mal alles loswerden, was ich auch sagen möchte. Du würdest mich daran hindern zu gehen, würdest mich überzeugen wollen, es sei nur eine Phase. Du merkst doch auch, dass unsere Ehe nicht das ist, was wir uns beide wünschen.

Wenn ich weg bin, merken wir beide vielleicht, was wir an unserer Ehe hatten. Vielleicht komme ich dann zurück und wir können nochmal neu anfangen.

Sag den Kinder, dass ich nicht wegen ihnen gehe und sie sich keine Sorgen machen sollen.

Peter