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FruehkindlicheEntwicklung / Christine Reker

Essstörungen an dem Beispiel „Orthorexia nervosa“

Der Begriff „Orthorexia nervosa“

Der Begriff „Orthorexia nervosa“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „orthos“ = richtig und „orexis“ = Appetit. Dieses bedeutet, dass Menschen, die an dieser Essstörung leiden, versuchen krankhaft gesund zu essen. Sie verbringen einen Großteil des Tages damit, zwanghaft Nährwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuwählen, die nach ihrer Meinung „erlaubt“ und gesund sind.

Erstmals wurde der Begriff Orthorexie von dem amerikanischen Mediziner Steven Bratmann im Jahr 1997 eingeführt. Die vermeintliche Qualität von Lebensmitteln steht hierbei im Vordergrund, jedoch wird die qualitative Hochwertigkeit von jedem Menschen anders empfunden und ist deswegen individuell unterschieden.

Zu sagen, dass ein Mensch an Orthorexia nervosa leidet, ist nicht leicht, da es heutzutage sehr viele Menschen gibt, die einfach versuchen sich gesund zu ernähren und dieses möglicherweise auch schaffen, da sie sich trotzdem vielseitig ernähren. Aus diesem Grund gibt es auch noch kein anerkanntes System um die Essstörung zu diagnostizieren.

Ein großes Problem bei dieser Essstörung ist, dass die Krankheit nicht als eine eigene Krankheit diagnostiziert wird, sondern als eine „Modediagnose“ tituliert wird, da man unter anderem in den Medien sehr oft von vermeintlichen gesunden Lebensmitteln beeinflusst wird und viele Menschen versuchen, diesem Bild des gesunden Menschen nachzueifern.

Es ist falsch zu denken, dass Menschen, die an Orthorexia nervosa erkrankt sind, an der Anorexia nervosa, also der Magersucht leiden, da Menschen mit Orthorexie in Wirklichkeit gar nicht abnehmen wollen, dieses aber tun, da sie sich zu einseitig ernähren.

Ein interessanter Aspekt bei dieser Krankheit ist, dass hierbei mehr Männer als Frauen an dieser Krankheit erleiden. Dieses liegt unter anderem daran, dass ihr Schönheitsideal hauptsächlich durch Gesundheit, Kraft und Muskeln bestimmt ist.

Menschen versuchen durch dieses krankhafte „Gesund“-essen eine gewisse Kontrolle über sich selbst zu haben, die ihnen eventuell in anderen Lebensbereichen abhanden gekommen ist, sodass sich ihr Selbstwertgefühl wieder steigert.

„Einstieg“ in die Essstörung und Verhalten Erkrankter

Der Einstieg in die Essstörung ist meist sehr leicht. Die Krankheit beginnt häufig damit, die eigene Gesundheit verbessern zu wollen oder chronische Krankheiten zu bekämpfen. Problem hierbei ist, dass der Unterschied zwischen gesundem Essen und dem krankhaft gesundem Essen sehr klein ist und viele Menschen deshalb noch nicht einmal merken, wenn sie krank sind. Lebensmittelskandale wie zum Beispiel Rinderwahn kann ebenfalls ein Auslöser dafür sein, dass Menschen sich in ihrem Essensverhalten stark einschränken.

Die Nahrungsaufnahme wird oft schon tagelang vorher durch selbstaufgelegte Ernährungsvorschriften stark durchstrukturiert. Orthorexie – Erkrankte nehmen sogar oft ihre eigenen Lebensmittel zu gesellschaftlichen Anlässen mit, da sie Angst oder Ekel verspüren, wenn sie das Essen anderer sehen. Es kann sogar so weit gehen, dass die Erkrankten andere Menschen, die nicht nach diesen Essensvorschriften leben, meiden, welches zu einer starken Isolation führt.

Wenn die Erkrankten einmal selbst gegen ihre eigenen Regeln verstoßen, fühlen sie sich schuldig und bestrafen sich selbst mit immer stärkeren und härteren Ernährungsregeln, sodass sie ein immer extremeres Essensverhalten aufweisen.

„Selbst bei einer bereits streng veganen Kost lassen Betroffene dann noch immer mehr Lebensmittel weg, die potentiell krebsauslösend oder allergieauslösend oder sonst irgendwie ungesund sind, etwa durch mögliche Zusatzstoffe. Es kommt dadurch zwangsläufig zu Mangelerscheinungen, die sogar lebensbedrohlich werden können.“, sagt Christoph Usbeck vom Institut für Allgemein Psychologie

Folgen der Erkrankung

Wie eben bereits schon erwähnt, kommt es teilweise zu einer starken Isolation, da die Erkrankten sich vor anderen Menschen mit anderem Essensverhalten stark ekeln. Körperliche Mangelsymptome sind ebenfalls häufig der Fall, da sie sich viel zu einseitig ernähren und ihnen wichtige Vitamine fehlen. Dieses führt oft dazu, dass die Erkrankten starkes Untergewicht haben, da sie sich nur noch von frisch geerntetem Obst und Gemüse ernähren können und wollen, welches oft einen sehr niedrigen Blutdruck mit sich trägt. Es kann auch zu starken Probleme im Alltag bzw. Job führen, da die Erkrankten sich aufgrund ihrer starken Selbstdisziplin stark überlegen fühlen und somit ihre Mitmenschen ablehnen.

Orthorexia nervosa kann sogar bis zum Tod führen, was man lange Zeit nicht für möglich hielt. Ein Beispiel ist hierbei die amerikanische Kate Finn. Kate Finn hatte keine Angst, dick zu werden. Sie wollte auch nicht dünn sein. Sie wollte sich nur gesund ernähren. Sie fastete, aß Rohkost, um den „Körper zu reinigen“ und verlor immer mehr an Gewicht

Bratman: „Ihre Auffassung vom gesunden Essen war so extrem, dass es zur Besessenheit wurde.“ (über Kate Finn)

Therapie

Der wohl wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass die Erkrankten selbst einsehen, dass sie eine Krankheit haben und ohne fremde Hilfe es nicht schaffen, hiervon wieder loszukommen. Ziel bei dieser Therapie ist es, dass die Menschen von dem zwanghaften Verhalten richtig essen zu wollen befreit werden und somit wieder in die Gesellschaft integriert werden können.

„Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass die Genussfähigkeit wiedererlernt wird. Zu einer Normalisierung des Essverhaltens gehört eben vor allem, zwanglos aus dem reichhaltigen Nahrungsmittelangebot zu wählen“

Grundsätzlich ist die Therapie ähnlich wie bei Magersüchtigen, da zusätzlich zu den Ernährungsmaßnahmen eine Psychotherapie notwendig ist, sodass die Menschen einsehen, dass ihr Ernährungsverhalten falsch ist.

Selbsttest

•Denken Sie mehr als 3 Stunden am Tag über ihre Ernährung nach?

•Planen sie ihre Mahlzeiten mehrere Tage im voraus?

•Ist ihnen der ernährungsphysiologische Wert ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude an deren Verzehr?

•Hat die Steigerung der angenommenen Lebensmittelqualität zu einer Minderung ihrer Lebensqualität geführt?

•Sind sie in letzter Zeit strenger mit sich geworden?

•Steigert sich ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung?

•Verzichten sie auf Lebensmittel, die sie früher gerne gegessen haben, um nun „richtige“ Lebensmittel zu essen?

•Fühlen sie sich schuldig, wenn sie von ihrer Diät abweichen?

•Haben sie durch ihre Essengewohnheiten Probleme auszugehen und distanzieren sie sich dadurch von Freunden und Familie?

•Fühlen sie sich glücklich und unter Kontrolle, wenn sie sich gesund ernähren?

Quellen

http://www.orthorexia.com

http://www.eufic.org/article/de/gesundheit-lebensstil/assstorungen/artid/orthorexia-nervosa/

http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1721/htm

http://www.magersucht-online.de/modules.php?name=News&file=article&sid=206

http://www.magersucht-online.de/modules.php?name=News&file=article&sid=432

http://de.wikipedia.org/wiki/orthorexia_nervosa

http://www.sueddeutsche.de/,trt1m1/wissen/artikel/641/53588/

http://www.aerztlichepraxis.de/rw_4_NewsByKeyword_Keyword_Orthorexia%20nervosa_Nachrichten.htm