Sachtexte zur Internationalen Finanzkrise - SoWi-Zusatzkurs 13/I - 2010
Internationale Finanzkrise
Seit dem Jahr 2007 fragen sich viele Menschen, was in der Welt und mit der Wirtschaft passiert. In den Jahren 2007 und 2008 verkündeten die Medien immer neue Horrormeldungen und überall auf der Welt stürzten die Börsen ab. Es kam zum Crash und mit ihm verloren tausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen ihr gesamtes Hab und Gut. Firmen machten Pleite und es schien als würde unser kapitalistisches System komplett zusammenbrechen. Für viele Menschen ist trotz der direkten Betroffenheit immer noch vieles unklar. Um die gesamte Krise zu verstehen, ist zu aller erst wichtig, sich mit dem Thema vertraut zu machen und ein Verständnis für das Problem zu erlangen.
Bekannt ist, dass die Finanzbranche Kredite vergeben hat, insbesondere für Immobilien, die nur unzureichend gesichert waren. Mit diesen Krediten wurde dann wiederum unter den Kreditinstituten gehandelt, wodurch es zu einer Vernetzung und Abhängigkeit unter den Banken kam. Die einzige Sicherung der Kredite waren meist nur die Immobilien der Kreditnehmer, die aber abhängig waren von steigenden Immobilienkursen.
Als 2007 dann die Immobilienpreise fielen, kamen viele Amerikaner in Not, da sie ihre Kreditraten nicht mehr bezahlen konnten. Für die Kreditgeber blieben oft nur noch die teilweise sehr herunter gekommenen Häuser, die nur noch einen Bruchteil dessen Wert waren wie zu Beginn. In diesem Zug kam es zu den immer größer werdenden Abschreibungen der Banken in Millionenhöhe.
Auch die Anleger waren verunsichert und zogen ihr Geld aus dem Markt, die meisten Privatanleger wurden in dieser Zeit aber noch mit hoffnungsvollen Meldungen wie: „Das ist alles nicht so schlimm, sie als Privatanleger betrifft das nicht!“, hingehalten. Die Lawine war in dieser Zeit allerdings schon ins Rollen gekommen, was von den meisten Menschen allerdings nicht wahrgenommen wurde, da sie durch das Vertrauen zu ihrem Bankberater blind waren. In den ersten Monaten des Jahres 2008 erholten sich die Märkte wieder leicht, was die sich anbahnende Krise allerdings nicht aufhalten konnte.
Als Mitte 2008 die Ausmaße des Problems immer größer wurden, kam es schließlich zu weiteren Kursrutschen und schließlich auch zu Panikverkäufen an den Börsen. Auch Stützkäufe konnten das Platzen der Blase nicht mehr verhindern und der Dax fiel auf unter 3700 Punkte. Jetzt hatten schließlich auch die Privatanleger begriffen, dass ihr Geld bei der Bank nicht mehr sicher ist und versuchten so schnell wie möglich, das Geld aus der Bank zu holen.
Nach kurzer Zeit waren die Banken zahlungsunfähig und neue Liquidität war aufgrund des hohen Zinsniveaus nur schwer zu bekommen. So kam es mancherorts zu einem wahren Ansturm auf Bankfilialen, in dem sich Menschen um das letzte zu ergatternde Bargeld schlugen. Zu diesem Zeitpunkt war es für viele Menschen allerdings schon zu spät, sie bekamen kein Geld mehr und stellten fest, welche Gefahr in Wirklichkeit in ihrer Anlage steckte. Das schlichte Vertrauen zu ihrem „Bankberater“ hatte nun vielen Anlegern ihr Vermögen gekostet. Aber auch Banken, die in diese Immobilien-Fondpakete investiert hatten, steckten nun in großen Schwierigkeiten. Bekannte Beispiele hierfür sind die Investmentbanken „Lehman Brothers“ und die „Hypo Real Estate“.
Alle Zeichen deuteten auf einen totalen Zusammenbruch des Systems hin, was letztendlich aber doch verhindert werden konnte. Um dies zu verhindern, wurde vor allem von der Amerikanischen Notenbank (Federal Reserve System - kurz Fed) neues Geld gedruckt und der Leitzins auf nahezu 0% gesenkt. Für die Banken war es nun somit wieder möglich, an Kapital zu kommen, um zahlungsfähig zu bleiben.
Auch in Deutschland wurden Maßnahmen gegen den Zusammenbruch ergriffen. So garantierte Angela Merkel den Deutschen Bundesbürgern mit über 500 Mrd. € im Falle einer Bankenpleite für einen Teil der Schäden aufzukommen. Mit diesen Garantien wurden die deutschen Banken wahrscheinlich kurz vor dem Abgrund gerettet. Wie nah man vor diesem Abgrund allerdings schon stand, wird wohl immer im Verborgenen bleiben.
Das wackelige Finanzsystem
Um die Ursachen zu verstehen, ist es unbedingt notwendig zu wissen, wie genau unser Geld funktioniert. Nur dann wird es verständlich, warum ein relativ kleiner Stein des Anstoßes fast zu einer Katastrophe nie da gewesenen Ausmaßes geführt hätte und wie es möglich war, das gesamte System vor dem totalen Crash zu bewahren.
Bevor überhaupt das erste Geld eingeführt wurde, handelten die Menschen mit Waren, die sie unter einander tauschten. Da ein solches System allerdings sehr unpraktisch ist, kam man irgendwann auf die Idee, Waren gegen Gold oder Silber zu tauschen, da diese Edelmetalle schon immer als sehr wertvoll galten. Dabei zählte nur das Gewicht der jeweiligen Münze und man konnte überall damit bezahlen.
Aufgrund des immer größer werdenden Handelsvolumens wurde das allerdings auch irgendwann unpraktisch, da man schlecht mit ganzen Goldsäcken durch das ganze Land reisen konnte. So kam es dann zu ersten Beglaubigungsschreiben, die zum Beispiel vom Kreuzritterorden ausgestellt wurden. Diese Schreiben waren im Prinzip ein Blatt Papier, das man bei diesem Orden jederzeit gegen Goldmünzen eintauschen konnte. Somit war dieses erste „Papiergeld“ durch einen Goldbetrag gedeckt und es hing alles an dem Glauben, dass man für dieses Schreiben irgendwo anders wirklich richtiges Gold bekommt.
Auch das erste richtige amerikanische Geld war durch Goldrücklagen gedeckt. Man konnte also jederzeit seinen Dollarschein bei der amerikanischen Notenbank gegen Gold eintauschen. Irgendwann kam man allerdings auf die Idee, mehr Geld in Umlauf zu bringen, als in Wirklichkeit in den Tresoren der Banken eingelagert war, da es sehr unwahrscheinlich erschien, dass alle Menschen gleichzeitig ihr Gold zurückfordern würden.
Ein normal denkender Mensch erkennt schon jetzt das Problem dabei. Aber es geht noch weiter, denn die USA schufen weiterhin fleißig Geld ohne Rücklagen in Gold dafür anzulegen. Im Jahr 1969 kam es dann dazu, dass Frankreich alle seine Dollarnoten gegen Gold eintauschen wollte. Da die USA das Gold allerdings nicht hatten, waren sie praktisch zahlungsunfähig und in diesem Zug hob der damalige US-Präsident Nixon das Versprechen Gold für Dollarnoten einzulagern, einfach auf. Damit war das Geld nur noch eine Frage des Glaubens und so steht auch heute noch auf den amerikanischen Dollarnoten „in God we trust“. Es ist also nur noch die Hoffnung der Menschen in die Währung, dass man dieses „Papier“ gegen Waren eintauschen kann und nur so behält das Geld seinen Wert, der allerdings durch die Inflation immer weiter verringert wird.
Als nächstes ist es wichtig zu verstehen, was bei den Banken mit dem Geld passiert und wie es zu der so genannten „Geldschöpfung“ kommt.
In Wirklichkeit machen die echten Geldscheine, die wir alle in unseren Portemonnaies tragen, nur etwa 10% des gesamten im Umlauf befindlichen Geldes aus. Das ganze andere Geld existiert nur in elektronischer Form als Zahl auf den Konten bei der Bank. Das ist doch irgendwie skurril und man fragt sich, wo das ganze Geld herkommt, oder?
Das Ganze funktioniert ganz einfach und ist keineswegs illegal oder auch nur annähernd am Rand des Gesetzes. Wenn ein Kunde 100 € zu seiner Bank bringt, bekommt er dieses Geld auf seinem Konto gutgeschrieben. Die Bank kann allerdings nun über dieses Geld verfügen und es an jemand anderen verleihen und damit verfügen beide zusammen nun über 200 €.
Wenn der Kreditnehmer nun das Geld ausgibt, hat der Nächste wiederum 100 € mehr auf seinem Kontoauszug. Da vieles heutzutage elektronisch bezahlt wird, benötigt die Bank in Wirklichkeit nur einen Buchteil des Geldes, von dem was sie eigentlich haben müsste. Damit die Banken nicht unbegrenzt neues Geld produzieren können, gibt es die so genannte „Mindestreserve“, die von der EZB gefordert wird und bei 2% liegt. Diese Regelung gibt es allerdings nur in Europa und nicht in den USA, wo die Banken so viel neues Geld schaffen können wie sie wollen.
Nun sollte jeder Mensch erkennen, auf welchen wackligen Säulen unser ganzes System steht. Wenn es also unter den Menschen zu einer Panik kommt, dass ihr Geld nicht sicher ist, geraten diese Säulen schnell ins Schwanken und können eine Kettenreaktion auslösen. Die größte Gefahr dabei ist, dass die Gläubiger ihr Geld in großen Mengen zurückfordern. Wenn das passiert, kommt es zum Crash, da viele Banken dann aus eigener Kraft nicht mehr zahlungsfähig sind.
In der aktuellen Situation ist dann folgendes passiert: In Deutschland griff der Staat in das System ein und gab den Gläubigern wieder Sicherheit und rettete mit neuer Liquidität die Banken. In den USA kam es zu einer ähnlichen Entwicklung.
Für viele Menschen ist dieses Vorgehen auch heute noch unbegreiflich. Es kommt zu der allgemein Meinung, dass die Banken machen können, was sie wollen und dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem sehen viele die Politiker als leicht beeinflussbar und scheinbar inkonsequent. Die Frage ist, was wirklich dahinter steckt und wer eigentlich die Kontrolle über das System hat.
Hinter den Kulissen
Um die Frage zu beantworten oder zumindest eine vage Vorstellung zu bekommen, was hinter den Kulissen wirklich passiert, muss man sich mit verschiedenen Unternehmen, Institutionen und der Politik beschäftigen. Zu den Wichtigsten gehören dabei: Die Ratingagenturen, die Notenbanken und die politischen Finanzmachthaber. Wenn man sich damit beschäftigt, erkennt man sehr schnell, wer die wirklichen Machthaber in unserem kapitalistischen System sind und warum es immer schwieriger wird, von „freier Marktwirtschaft“ zu sprechen.
Zu den bedeutendsten Institutionen der Welt gehören dabei die Ratingagenturen, die einen riesigen Einfluss auf die Politik und die Wirtschaft haben. Zuerst muss man sich vor Augen führen, dass diese Agenturen private Unternehmen sind, die ausschließlich das Ziel haben, Gewinn zu erwirtschaften. Sie untersuchen im Prinzip die Kreditwürdigkeit anderer Firmen und sogar ganzer Staaten und vergeben Bewertungen in einem Schulnoten ähnlichen System. Normalerweise werden die Ratingagenturen allerdings als neutrale Institutionen betrachtet, was aber doch als sehr fragwürdig erscheint.
Um zum Beispiel am amerikanischen Kapitalmarkt zugelassen zu werden, muss sich jedes Unternehmen und jeder Staat von mindestens zwei Ratingagenturen bewerten lassen. Die größten Ratingagenturen der USA sind: Moody`s, Standard & Poor`s und Fitch, die zusammen einen Marktanteil von 93% haben. Interessant wird es, wenn man sich die Besitzverhältnisse dieser Agenturen ansieht. So ist zum Beispiel der größte Aktionär von Moody`s mit über 18% das Unternehmen Berkshire Hathaway, das von Warren Buffett geleitet wird. Die weiteren Großaktionäre sind außerdem: Die Barclays London Bank und Goldman Sachs.
Letztendlich muss man sich dann die Frage stellen, ob diese Agenturen wirklich objektive Bewertungen vornehmen und warum eigentlich fast niemand darüber etwas weiß.
Es geht aber noch viel weiter, denn als nächstes werfen wir mal einen Blick auf die amerikanische Notenbank, die Fed. Wer glaubt, die amerikanische Notenbank wäre ein staatliches Institut, liegt damit ziemlich daneben. In Wirklichkeit besteht das „Federal Reserve System“ aus 12 regionalen amerikanischen Privatbanken, die sich selbst Federal Reserve Banken nennen dürfen und die zugleich die Eigentümer der Fed sind. Einzig das Direktorium der Fed wird vom amerikanischen Präsidenten ernannt, womit die Fed halb privat und halb staatlich ist. Wem allerdings die 12 regionalen Reserve Banken gehören, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des amerikanischen Finanzmarktes.
Ein völliges Geheimnis ist es dennoch nicht, wenn man einen Blick auf die Gründerbanken des Federal Reserve Systems wirft. Zu diesen zählen nämlich: die National City Bank of New York (heute Citibank), die Kuhn, Loeb & Co. (später Lehman Brothers), sowie JPMorgen-Chase. Da wundert es wohl jetzt keinen mehr, dass der amerikanische Leitzins nahezu bei 0 liegt und die Banken Geld quasi zum Nulltarif bekommen.
Als nächstes sollten wir uns ein wenig mit der amerikanischen Politik auseinander setzen. Eigentlich sollte man denken, dass die meisten hochrangigen Politiker auf eine lange politische Laufbahn zurückblicken können. Das kann man allerdings sehr leicht anhand einiger Beispiel widerlegen. Wenn man zum Beispiel den letzten Finanzminister der USA etwas genauer unter die Lupe nimmt, fällt auf, dass dieser so genannte Herr Henry Paulson keineswegs eine politische Laufbahn aufweisen kann. Bevor Paulson nämlich Finanzminister der USA wurde, war er der Vorsitzende der Investmentbank Goldman Sachs.
Das nächste Beispiel ist Robert Edward Rubin, der von 1995-1999 Finanzminister der USA war und zufälligerweise auch vorher bei Goldman Sachs gearbeitet hat. Aber es geht noch weiter! Im Oktober 2008 verabschiedeten die Abgeordneten im amerikanischen Senat das Rettungspaket für das amerikanische Finanzwesen, das sich auf über 700 Milliarden Dollar belief. Für die Verteilung des Geldes wurde ein gewisser Herr Neel Kashkari eingesetzt. Wo Kashkari vorher gearbeitet hat, ist jetzt wohl nicht mehr schwer zu erraten. Natürlich auch bei Goldman Sachs!
Diese Fakten sind keineswegs der Beweis für Korruption in den verschiedenen Institutionen und Unternehmen, aber man sollte sich doch fragen, ob man wirklich weiterhin vor die Tatsachen schauen möchte oder man doch lieber genauer hinsieht, um zu erkennen, was vielleicht dahinter liegt.
Wie es zu der Krise kam
Um jetzt die Ursachen für die Krise zu verstehen, ist es sinnvoll sich das vorherige immer wieder vor Augen zu führen, um nicht nur zu sehen, was vor dem Vorhang passiert, sondern was sich möglicherweise dahinter verbirgt.
Wie schon vorher angesprochen war die Immobilienblase der Stein, der die ganze Lawine ins Rollen gebracht hat und am Ende zur Krise geführt hat. Der Grund, dass sich überhaupt so eine Blase bilden konnte, war und ist immer noch die Kreditvergabe der Banken und der amerikanische Lebensstil. In den USA war es vor der Krise üblich, dass fast jeder Bürger ein eigenes Haus haben konnte und dank steigender Immobilienpreise keinen Cent in der Tasche haben brauchte. Die Kreditnehmer finanzierten ihr Haus oft nur durch diesen steigenden Kurs.
Das funktionierte so: Ein amerikanischer Bürger möchte ein Haus bauen und nimmt dafür einen Kredit auf. Dieser Kredit entspricht dann dem Wert des Hauses und muss irgendwann zurückgezahlt werden. Da den Menschen gesagt wurde, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen werden und damit auch der Wert des Hauses, ist es möglich, einen neuen höheren Kredit aufzunehmen, um die alten Schulden zu begleichen. Das bedeutet im Prinzip, dass diese Kreditnehmer nie wirklich das Geld zurückzahlen werden, sondern immer wieder neue Kredite aufnehmen, um die alten zu bezahlen. Das System funktioniert allerdings nur, solange die Immobilienpreise weiter steigen. Wenn das nicht der Fall ist, bricht das System zusammen.
Das nächste Problem dabei ist, dass die Kreditgeber das Geld ohne großes Zögern an nahezu jeden verliehen haben. Diese Immobilienkredite wurden dann zu einem Paket geschnürt und als Kredite unterschiedlicher Qualität an Investoren weitergegeben. Zwischen diesem Schritt wurden die Pakete allerdings noch von Ratingangenturen bewertet.
Nach der vorherigen kurzen Einführung in die Ratingagenturen erscheint dies jetzt wahrscheinlich etwas zynisch, aber die Investoren haben diesen Agenturen blind vertraut. Am Ende ist es nicht mehr möglich nachzuvollziehen, welche dieser Kredite wirklich sicher sind und welche nicht.
Erst als die Immobilienpreise fielen, stellten die Investoren fest, was wirklich in manchen dieser Pakete schlummerte und in diesem Zuge kam es zu den anfänglich so harmlos klingenden Abschreibungen einiger Banken. Im Laufe der Zeit brachen immer mehr dieser Kredite weg und die ersten deutschen Banken waren betroffen. Die Namen in diesem Zusammenhang waren dann zum Beispiel die Landesbanken, sowie die Hypo Real Estate.
Die Landesbanken wurden in dieser Zeit vor allem durch die Bundesländer und die Sparkassen gestützt, die zum Großteil für die Milliardenverluste aufkommen mussten. Für die Hypo Real Estate waren die Verluste durch die Finanzkrise allerdings nicht mehr zu regulieren und so wurde die Investmentbank 2009 verstaatlicht. Dabei wurden über 120 Milliarden Euro als Garantien zur Verfügung gestellt, sowie 7,7 Milliarden Euro als Direkthilfe aus dem Finanzmarktregulierungsfond (SoFFin). Begründet wurde diese Entscheidung mit der Systemrelevanz der Bank, die im Falle einer Insolvenz zu einer neuen großen Gefahr für den Finanzmarkt werden würde. Andere Banken und Investoren müssten mit enormen Verlusten rechnen und könnten dadurch auch ins Straucheln geraten.
Das Beispiel der Hypo Real Estate zeigt, wie stark die Finanzbranche von sich selbst abhängig ist und was der Zusammenbruch größerer Banken bewirken kann. In Deutschland wurde mit der Rettung der HRE der Satz: „Too big to fail“ untermauert. Am amerikanischen Finanzmarkt kam es allerdings schon vorher zum Zusammenbruch der Investmentbank „Lehman Brothers“, bei dem der amerikanische Staat entgegen des bisherigen Grundsatzes nicht eingriff und es zur Insolvenz kam. Auslöser für die Pleite der Lehman Brothers war der riskante Kauf des zweitgrößten börsennotierten Wohnungseigentümers „Archstone-Smith“. Mit dem Platzen der Immobilienblase kam es dann zum Zusammenbruch. Dieses Scheitern der amerikanischen Großbank sorgte für große Unruhe und Panik an den Finanzmärkten, denn der vorher Sicherheit garantierende Grundsatz „too big to fail“ galt nun nicht mehr uneingeschränkt.
Nun war zusätzlich noch die Zeit für Spekulanten gekommen, die auf fallende Kurse setzen und damit andere in den Abgrund stürzen lassen. Ein treffender Satz an der Börse dafür ist: „Ein Spekulant der auf fallende Kurse setzt, gräbt eine Grube, in die andere hineinfallen“.
Damit wird das heutige System an der Börse besonders gut beschrieben, denn es geht nur noch darum, auf Kosten anderer einen eigenen Gewinn zu erwirtschaften. Das ursprüngliche Prinzip der Börse war es, Menschen mit Geld auf der einen und Menschen mit einer guten Idee auf der anderen Seite zusammenzubringen. Dabei hoffte man als Investor, dass das Unternehmen eine gute zukünftige Entwicklung vollziehen wird.
Heute ist man an einem Punkt angekommen, an dem man nur noch versucht, einzelne kleine Beträge vom riesigen Kuchen abzuzweigen. Spekulanten und andere Kurzzeitinvestoren können das System mit ihrem Handeln immer wieder empfindlich stören. Sogar automatische Trading Systeme werden heutzutage an der Börse eingesetzt, ohne dass auch nur ein Mensch daran beteiligt ist. Milliardenbeträge bewegen sich damit in wenigen Sekunden um die ganze Welt. Die meisten privaten Anleger wissen in den meisten Fällen nicht, worauf die Börse zusteuert.
Vor der Krise haben sich die meisten Menschen keine Gedanken um ihre Anlagen gemacht und wussten oft nicht einmal, was die Konditionen ihrer Anlage waren. Die Augen waren nur auf Dividende gerichtet und keiner hat sich gefragt, wie ein solch hohe Rendite überhaupt erzielt werden konnte. In der Krise stellten diese Menschen dann fest, dass sie aus ihrer Anlage nicht heraus kamen und mussten dabei zusehen, wie ihr Geld verschwindet.
Wie bereits vorher angesprochen, konnte ein völliges Zusammenbrechen unseres kapitalistischen Systems nur durch staatliche Hilfen und Garantien verhindert werden. Ohne dieses Eingreifen in den „freien Markt“ wurden unzählige Banken und Unternehmen gerettet. Über das, was sonst passiert wäre, lässt sich jetzt nur noch spekulieren, aber es hätte noch viel verheerendere Ausmaße annehmen können.
Ein Problem, dass nun zwangsweise mit dem Eingreifen der Staaten in den Markt entsteht, ist die enorme Staatsverschuldung. Die Schulden von vielen westlichen Ländern haben mittlerweile ein kaum vorstellbares Niveau erreicht, so wird der zweitgrößte Teil des Bundeshaushalts für die Zinslasten, die durch den hohen Schuldenberg entstehen, benötigt.
Wenn die zukünftige Entwicklung weiter in diese Richtung geht, wird es zwangsweise zu Staatsbankrotten kommen. So lange die Ratingagenturen nicht die Bonität von Staaten herunter stufen, wird es einige Jahre noch so weitergehen, aber die große Lawine ist schon ins Rollen gekommen und ist wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten.
Die Frage ist nicht mehr, ob es dazu kommt, sondern wann es dazu kommt und diese Krise wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Das Geld wird am Ende nichts mehr wert sein, da der Glaube daran verloren gegangen ist. Wenn es soweit ist, wird es zwangsläufig wieder neues Geld geben, dass möglicherweise sogar wieder durch Gold gedeckt ist und der Kreislauf beginnt wieder von vorne. Dabei werden viele Menschen nahezu alles verlieren und müssen praktisch wieder bei Null anfangen, aber sie werden es akzeptieren, in der Hoffnung, dass mit neuem Geld alles besser wird und die Krise endgültig vorbei ist.
Wie lange es noch dauern wird, bis es zu einem solchen Szenario kommt, bleibt abzuwarten. Aber möglicherweise steuern die politischen Führer unserer Nationen schon auf diese Entwicklung zu und sind sich dessen sogar vollkommen bewusst.
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Maurice
Die Finanzkrise von 2007
Die globale Finanzkrise ist eine internationale Krise, die die Wirtschaft und Banken betrifft. Sie begann im Jahr 2007 mit der US-Immobilienkrise, auch „Subprimekrise“ genannt. Die Finanzkrise machte sich bemerkbar durch Verluste und Insolvenzen in Unternehmen der Finanzbranche. Die Immobilienpreise sanken in den USA und damit wurde die Krise immer bedenklicher.
Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers löste die ersten schwerwiegenden Verluste aus. Diese Investmentbank wurde 1850 gegründet und hatte ihren Hauptsitz in New York. 2008 brach die Bank zusammen und musste Insolvenz anmelden. Sie musste in Folge der Subprimekrise 3,3 Milliarden US-Dollar abschreiben und dadurch begann der Weg von zwei Kapitalerhöhungen im April und im Juni 2008, um die Bank wieder nach oben zu bringen. Daraufhin wurden Teile der Investmentsparte verkauft, da die Bank gegen große Verluste zu kämpfen hatte.
Um sie zu retten wurde die Dividende auf 0,05 US-Dollar pro Aktie gesetzt, was jedoch nichts mehr nützte. Die Lehman Brothers hoffte auf Unterstützung des damaligen amerikanischen Finanzministers Henry Paulson, der schon mehreren Banken aus der Krise half wie z.B. Bear Stearns oder Fannie Mae, die er millionenschwer unterstützte. Jedoch sagte er diese Hilfe ab und so musste am 15. September 2008 die Insolvenz für die Investmentbank Lehman Brothers beantragt werden.
Infolgedessen erklärten sich Barclays Capital und andere Banken dazu bereit, Teile der Bank Lehmann Brothers wie z.B. den Hauptsitz in New York und verschiedene Investmentsparten zu übernehmen bzw. zu kaufen und sie somit aus der Insolvenz zu holen. Außerdem übernahmen die Banken damit auch viele Mitarbeiter.
Lehman Brothers hinterlies nach der Insolvenz einen Schuldenbetrag von ca. 200 Milliarden US-Dollar.
Durch den Zusammenbruch der Bank wurden auch in Deutschland Menschen betroffen, die bei der Tochtergesellschaft in Frankfurt am Main ihr Geld angelegt hatten. Diese leiteten direkt rechtliche Schritte in die Wege, falls es zu einer falschen Anlageberatung kam. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erließ am 15. September 2008 direkt ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot und verbot der Bank, Zahlungen anzunehmen die nicht dazu da waren, um Schulden zu begleichen.
Durch die Insolvenz der Lehman Brothers und anderen großen Banken kam es zur Finanzkrise. Viele Kreditnehmer konnten ihre Kredite und die anfallenden Zinsen nicht mehr zahlen.
Nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise brachte eine Untersuchung zum Vorschein, dass die insolvente US-Investmentbank monatelang ihre Bilanz frisiert hat, um Milliardenschulden zu verstecken. Sie war sogar schon vor dem Kollaps zahlungsunfähig und hat ihre Probleme mit Bilanztricks kaschiert und so Anleger, Geschäftspartner und Aufsichtsbehörden in die Irre geführt.
Natürlich wurde rasch nach Lösungen für die Finanzkrise gesucht, wobei es allerdings Probleme gab. Die Unübersichtlichkeit der Finanzmärkte hatte es unmöglich gemacht, die gesamten betriebs- und volkswirtschaftlichen Verluste der gesamten Krise zu beziffern und man war sich nicht sicher, welche betroffenen Unternehmen in den jeweiligen Ländern durch Staatshilfe gerettet werden sollten, und welche nicht. Zudem fürchteten Marktbeobachter, es könne zu einem Kreditkartenkollaps kommen, welcher die Krise noch weiter verschärft.
Die Nicht-G20-Staaten waren vom bisherigen Krisenmanagement weitgehend ausgeschlossen und forderten als Hauptleidtragende der Krise Mitsprache. Im Vorfeld der ‚Konferenz der Vereinten Nationen zur Finanz- und Wirtschaftskrise und ihren Auswirkungen auf die Entwicklung’ wurden jedoch die Effizienzprobleme der UN deutlich, als es darum ging, alle mit einzubeziehen.
Da es für diese große Krise keine Gesamtlösung gibt bzw. gab, spüren wir auch heute noch die Auswirkungen davon in der Wirtschafts- bzw. Finanzwelt.
Zwar sind diese Auswirkungen nicht mehr so verheerend wie vor 2-3 Jahren, jedoch dauert es seine Zeit, bis Normalität zurückkehrt.
Lucia
Die internationale Finanzkrise
Weltweit sinken die Aktienkurse immer mehr und damit melden auch die Banken Insolvenz an. Dem zufolge liegt eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder eine Überschuldung der Banken vor. Viele Staaten geraten in große Schwierigkeiten, da eine Rezession nicht überwunden werden konnte. Es wird ein Abschwung der Wirtschaft verzeichnet, da die Wirtschaft nicht wächst oder ein Rückgang erfolgt. Die Rezessionsphase bringt für die Finanzmärkte enorme Probleme mit sich. Aufgrund dessen entsteht die Finanzmarktkrise, die sich schon bald zur Weltwirtschaftskrise etabliert.
Die internationale Finanzkrise, die auch als eine Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise bezeichnet wird, begann zunächst im Sommer 2007 mit der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Auslöser waren die Hedgefonds, eine spezielle Art von Investmentfonds, die vermehrt in Immobilien investieren und damit gelangt die New Yorker Investmentbank Bear Stearn in eine bedrohliche Krise Durch die fallenden Immobilienpreise konnten auch immer mehr Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr bedienen, aufgrund von steigender Zinsen und fehlenden Einkommen.
Die US-Immobilienkrise lößt eine Kette von Zahlungsstörungen im US-amerikanischen Hypothekenmarkt aus. Der Hypothekenmarkt, der ein Teilbereich des Finanzmarktes ist, spielt eine große Rolle in den USA. Das Eigentum ist nicht nur für die soziale Absicherung von größter Bedeutung. Vor allem waren die Ausfälle im Suprime-Markt ein entscheidender Auslöser für die Finanzkrise 2007.
Der Suprime-Markt besteht größtenteils aus Kreditnehmern mit einer geringen Kreditwürdigkeit. Das heißt, die aufgenommenen Schulden werden nur noch geringschätzig zurückgezahlt. Damit nahm der Suprime-Markt ein hohes Risiko mit sich. Schließlich steigen die Kreditzinsen an, und das Grundeinkommen verschlechterte sich. Damit konnten die Kreditnehmer nicht sofort ihre Krediete bezahlen und die hinzukommende Zwangsversteigerung brachte für die Banken Verluste ein
Schließlich geraten Banken in Deutschland aufgrund von Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in die Krise. Damit erreicht die US-Immobilienkrise auch Deutschland im Juli bzw August 2007.
Im Oktober 2008 stimmt Bundespräsident Horst Köhler dem Gesetz für ein 480-Milliarden Rettungspaket zu. Schließlich beansprucht die Hypo Real Estate als erste Privatbank Mittel aus dem staatlichen Rettungsfond.
Die Hypo Real Estate Holding ist eine verstaatlichte deutsche Aktiengesellschaft, die aufgrund der internationalen Finanzkrise in starke Geldnöte geraten war und möchte, dass der Rettungsfond des Staates einen Überbrückungskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro absichert. Es folgt, dass der Kurs der Hypo Real Estate ansteigt . Im Jahr 2009 hat die Sanierung der Hypo Real Estate, die in die Pleite ging, beim Bankenrettungsfonds zu enormen Verlusten geführt. Die angeschlagene Hypo Real Estate benötigt immer weitere staatliche Finanzmittel.
Weltweit beschäftigen sich Regierungen damit, wie man die Finanzmärktewieder in den griff bekommt und welche Maßnahmen erfolgen müssen, um die schlimmsten Folgen mindern zu können. Politiker fordern neue globale Regeln, da die Krise auch ein weltweites Problem ist. Eine Verstaatlichung von Banken soll dazu führen, dass der Saat im Nachhinein in der Krise kauft und verkauft, wenn es den Banken wieder besser geht. Wobei sich die Aktionäre auf der Hauptversammlung gegen eine Verstaatlichung der Hypo Real Estate wehren.
Immer mehr Menschen sind von der internationalen Finanzkrise betroffen. Einige haben alles verloren; Haus, Auto und Job. Auch in Amerika schnappt die Schere zwischen Arme und Reich immer weiter auf, sodass bis zum heutigen Tage 40 Millionen Amerikaner auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, die früher teils der Mittelschicht angehörten. Doch welche Möglichkeiten gibt es, diesem Unheil zu entfliehen?
Der Verlust der Mittelklasse wäre das Aus für Staaten wie Amerika. Deshalb haben die G7-Staaten Maßnahmenpakete geschnürt, die die langfristige Sicherung der internationalen Märkte sichern sollen. Zum einen sollen Ratingagenturen zunehmend staatlich kontrolliert und differenziert betrachtet werden und zum anderen werden neue Standards für Finanztransaktionen geschaffen, die eine Spekulationsblase, wie die im Immobiliengeschäft der USA, verhindert.
Noch dazu sollen Banken dazu gezwungen werden, mehr Eigenkapital zu schaffen und weniger anzulegen, damit im Ernstfall eine Eigenrettung vollzogen werden kann.
Doch all das schafft noch nicht die 8 Millionen Arbeitsplätze, die in den USA seit Beginn der Krise verloren gegangen sind. Sie sind auf längere Zeit verloren und es braucht Jahre, bis sich die Konjunktur in dem Maße erholt hat, dass sie das auffangen kann.
Unserer Meinung nach sollte vor allem auch der Kampf gegen Steuerbetrug verschärft werden. Zudem müsste mehr Transparenz auf den Finankmärkten geschaffen werden, damit kein Markt mehr einer Aufsicht entgehen könnte. Schließlich sollten globale Lösungen für die weltweite Finanzmarktkrise geschaffen werden. Zur Verbesserung der internationalen Finanzmarktforschung sollten durchaus konkrete Lösungen formuliert und damit grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden verstärkt werden. Banken sollten die Kontrolle von Finanzkrisen verbessern und zudem für ihre Kredite mehr Verantwortung übernehmen.
Quellen: Tagesschau, Focus, Wikipedia
By Anna Trippel, Carlo Pause-Hohenner und Fabian-Pascal Köppelmann
Bei dem Text von Anna, Carlo und Fabian fehlt bei "Suprime-Markt" das "b" vor dem "p". Es müsste Subprime-Markt heißen.
MfG Maurice